Letzte Instanz. BRACHIAL

Die „brachial leise“ Akustik-Kirchentour der Letzen Instanz führte die Alternative-Gothik-Rocker am 09. Oktober in die Hannoversche Markuskirche. Ein beeindruckend großes Gemäuer. Teppich. Bestuhlung. Gemütlichkeit.

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Die Dunkelheit zieht ein ins Haus.

Man atmet sanft, atmet ein, atmet aus.

Man ist gespannt, da tritt aus einer Niesche hervor,

Frau Schmitt mit ihrem Bogen in den Chor.

Kühles Licht umspielt das Presbyterium.

Das Publikum, gebannt und stumm,

erwartet eine kleine Symphonie.

Schlagzeug und Geige, in ungleicher Harmonie,

Zarte Melodien, die in den Abend rieseln.

Man will sich verlieren in diesen melodischen Kieseln.

„Guten Abend liebe Freunde und Fans der letzten Instanz.“ (Frau Schmitt)

DSC_2455Frau Schmitt (Subway to Sally) ist ganz Profi, ganz bescheiden und gibt im Rahmen dieser Tour ihr Debüt als Solokünstlerin. Sie nennt es ein ungewöhnliches Projekt, das aus persönlichen Lebensumständen geboren sei. Das letzte Stück – „Clock“ – sei eines, in dem eine Orgel eine Rolle spiele. Ein sanfte Orgel. Gänsehaut. Man will die Augen schließen und könnte dem ewig zuhören. Leider gibt Frau Schmitt diesem reizenden Exklusivprojekt zu wenig Raum und fiedelt mit Ally Storch alias „Ally the Fiddle“ lieber schwedische und ukrainische Traditionals, die sie zu Streichquartetten umkomponiert hat. Durchaus klassisch, durchaus schön.

Letzte Instanz. Brachial leise.

Die Letzte Instanz. Stilvoll in Anzügen. Lisa Morgenstern, die zarte Pianistin, wirkt in weiß gewandet wie eine Braut. Das kleine Orchester nimmt Platz. Der Bräutigam, Holly Loose, schreitet singend durch `s Kirchenschiff als gebe er dem Publikum heute ein Versprechen. Auf immer und ewig..

„Ewig währt die Angst vorm Tod

ewig bringt das Leben Angst

ewig macht die Angst marode

was aus Liebe auferstand

Ewig scheint kein Licht zu glühen

ewig hält kein Menschenband

ewig wird doch nur verblühen

was aus Liebe auferstand.“

 

DSC_2595Man will tanzen. Jeder Song ist in ein eigenes Lichtspiel getaucht. Die Bestuhlung ist ein Fluch, den die Band zu brechen weiß. Zum Aufstehen aufgefordert singt das Publikum mit, geht Song für Song mehr aus sich heraus, steuert immer berstenderen Applaus bei. Ein Fankonzert. Brachial durchaus, denn – wer nicht das Glück hat, hinter oder zumindest neben dem Mischpult zu sitzen – konnte an diesem Abend durchaus Pech und Soundmatsche oder gar ein Klingeln im Ohr haben. Die Vorzüge der Akustik des Kirchenschiffs scheinen ungenutzt, brachial, brachialer, blutige Ohren ist die Devise, zumindest, was den Sound – von der Empore aus gehört – angeht. Hier verwandelt sich selbst Morgensterns Stimme zu einem Scheppern und Klingeln in den Ohren.

Irgendwie ist es von allem zu viel. Zu brachial. Zu laut. Zu technisch für einen Raum, in dem man das Flüstern der Instanz selbst unverstärkt in jeder Nische hören sollte. Den leisen Tönen scheint zu wenig Raum gegeben. Weniger ist manchmal mehr.

Die Fans scheint’s nicht zu stören, sie feiern ihre Letzte Instanz, stehen auf, Schnipsen, bilden ein Sternenmeer mit ihren Händen. Völlerei am Soundgelage, viel Applaus und keinerlei Klage. Achim Brandau natürlich in der ersten Reihe. Seelig; mit wippenden Füßen und leuchtenden Augen.

Die letzte Akustiktournee der Letzen Instanz liegt sieben Jahre zurück. Mehr als 60 Songs haben sie seither geschrieben und kündigen für den 16. August 2016 ein neues Album an. 16.08.16. Das Publikum ist begeistert, lebt das Credo „Brachialromantik“ und bekommt einen brandneuen Song zu Gehör. „Sag wo bist du“

„So werden die Jahre weiter vergehn’

mit deinem Bild in meinem Sinn. …

Sag wo bist du

hörst du nicht die Sehnsucht in mir..“

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www.letzte-instanz.de