Gloria bringen melancholisch-tiefgründige Klänge ins Capitol Hannover

Gloria 2015 auf musikmag.de

Tanzende und singende Schauspieler, schauspielernde Sänger und jetzt singende Moderatoren? So oder so ähnlich war der erste Gedanke vor dem Konzertabend mit Gloria im Capitol. Davon gehört, dass Klaas Heufer-Umlauf nun nicht mehr nur vor der Kamera sondern auch hinter dem Mikrophon steht, hatte ich bereits. Tatsächlich wahrgenommen hatte ich von der Band bisher aber noch keinen Song, so meine Überzeugung.

Das Capitol war an diesem verregneten Mittwochabend mit knapp 700 Leuten gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Platz genug also um zu Tanzen und ohne Gedränge die Musik zu genießen. Auf der Empore und im Bühnenvorraum erwarteten die Fans aller Altersklassen, viele Pärchen und ganze Fangruppen mit Plakaten und Spruchpostern das Konzert von Gloria. Ein bunt  gemischtes Publikum.

Die musikalische Eröffnung an diesem Abend kommt von Deniz Jaspersen. „Ich bin hier um euch zu dienen“, so der sympathische Hamburger, eigentlich Sänger und Gitarrist der Rock-Band Herrenmagazin. Mit seinen ruhigen und teils schwermütigen Songs zieht er das Publikum schnell in seinen Bann. Jaspersen, der sich selbst als „Kollateralschaden auf dem Weg zu Gloria“ bezeichnet, überzeugt als One-Man-Vorband trotz seiner ruhigen und in sich gekehrten Art mit seiner Hingabe zur Musik, die für die Anwesenden spürbar ist. Diesen Kollateralschaden nimmt das Publikum sichtlich gerne in Kauf und belohnt den Künstler mit dem verdienten Applaus.

Punkt 21 Uhr betreten die Mitglieder von Gloria nacheinander die Bühne und stimmen die ersten Takte an. Unter Jubel, Applaus und einigem Juchzen von weiblichen Fans kommt Sänger Klaas als letzter der Musiker auf die Bühne und eröffnet die Show mit dem Song „Immer noch da“. Tief stimmungsvoll folgen „Der Sturm“ und „Neu beginnen“ bevor die Band das Publikum offiziell begrüßt.

Von vielen ausschweifenden Reden halten die Musiker zwischen ihren Songs scheinbar nichts. Ein fast schon beiläufiger Austausch von einigen kurzen Anekdoten zwischen Klaas Heufer-Umlauf, Mark Tavassol und den restlichen Bandmitgliedern, ein kleiner Seitenhieb auf unsere Heimatstadt Hannover vom Oldenburger Heufer-Umlauf, ein bisschen Smalltalk vom Friseurstuhl – und dann wieder volle Konzentration und direkt hinein in die melancholische Grundstimmung der Songs. Der Atmosphäre im Capitol nimmt die Schwere der Songs nichts.  Die Chemie zwischen Publikum und Band stimmt, die Texte und Melodien von „Warten“ und „Das, was passiert“ ziehen die Anwesenden weiter in ihren Bann.

Aktueller denn je scheint dann der Text zum intensiven und tiefgründigen Song „Stolpersteine“ zu sein. Heufer-Umlauf lässt es sich auch an diesem Abend nicht nehmen, sein Publikum daran zu erinnern, dass es wichtig ist, aus den Erfahrungen und Erinnerungen zu lernen, nicht zu vergessen und eigene Schlüsse zu ziehen. Dafür erntet er vollste Zustimmung der Anwesenden.

Spätestens mit dem Cover von „Wenn es passiert“ haben Gloria dann auch mich als Gloria-Neuling eingefangen. Die Version des bekannten und erfolgreichen „Wir sind Helden“-Songs in der Interpretation von Klaas Heufer-Umlauf bringt das gesamte Capitol zum Singen und Schunkeln.  Nach ihrem Song „Das Seil“ verlassen die sechs Hauptakteure des Abends die Bühne.

Wir können doch nicht gehen, ohne unseren Überhit, unseren Chart-Knaller gespielt zu haben!“, mit dieser Ansage kommen Sänger Klaas und seine Bandkollegen zurück und begeistern ihr immer noch songhungriges Publikum mit ihrem Hit „Geister“. Zerbrechlich und ein wenig pathosbehaftet kommt der Song daher und lässt scheinbar auch die Fans nicht kalt. Kuschelnde Pärchen werden von Heufer-Umlauf inmitten der Menge ausgemacht und genauesten mit seiner ihm eigenen Kiss-Cam beobachtet: „Ich erkenne genau, wer hier schon länger zusammen ist und wer gerade ein Date hat!“, scherzt der Sänger nach dem Song mit dem Publikum.

Der Abend musikalisch beenden die Lieder „Narben“ und „Süchtig“ bevor sich die Band gemeinsam von ihren Fans verabschiedet und die Bühne endgültig verlässt. Zumindest bist zum nächsten Wiedersehen auf hannoverschen Bühnen.

Das Fazit des Abends ist klar: Gloria hat mich überrascht. Die Band präsentiert ihren Fans Musik, die gut funktioniert, wenn man sie nebenbei im Hintergrund laufen lässt. Die aber beim genauen Hinhören auch so einiges an textlichem Tiefgang erkennen lässt und zum Grübeln und Nachdenken anregt. Dabei drängen sich die Bandmitglieder erfreulich wenig in den Vordergrund und lassen ihre Musik sehr gelungen für sich selbst sprechen.

(VB)

Gloria 2015 auf musikmag.de

Tracks:
Immer noch da
der Sturm
Neu Beginnen
Nie mehr
das was passiert
Warten
ohne Träume
Erste Wahl
Einer von den anderen
Stolpersteine
Hochhaus
Wenn es passiert
Seil

Geister
WSWL
Narben

Süchtig

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