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Gerade hat man sich in seinem Zelt eingerichtet, die Abkürzungen ohne Zeltschnur-Stolperfallen ausgekundschaftet und sich mit der Nachbarschaft angefreundet (oder arrangiert), da ist plötzlich Samstag und das Rockharz 2025 schon fast wieder vorbei.

Aber keine Zeit für Traurigkeit, der Tag fängt ja gerade erst an. Die Sonne gibt heute wieder ihr Bestes, um möglichst lebensfeindliche Temperaturen zu schaffen. Dennoch hat sich eine gar nicht mal so kleine Fangemeinde ins Infield gewagt, um mit Frozen Crown eine Premiere zu feiern. Eine neue Gitarristin ist dabei und das Publikum heißt sie sehr herzlich Willkommen. Ein bisschen italienischer Power-Metal zum Frühstück scheint ein Geheimrezept zu sein, die Stimmung ist ausgelassen und feierwütig. So kann es weitergehen!
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Heute steht der Harz unter einer schwarzen Flagge mit Totenkopfsymbol. Visions Of Atlantis geben den piratigen Einstieg, das Banner erinnert an eine Kapitänskajüte auf einem prachtvollen Piratenschiff. Sängerin Clémentine Delauney verführt das Publikum gleich beim ersten Song „Master The Hurricane„ mit ihrem sirenengleichen Gesang und die Menge vor der Bühne wirkt wie ein aufgewühltes Meer.
„Hellfire“ und „Tonight I’m Alive“ hauen eine ordentliche Portion Powermetal über den Flugplatz und viel zu schnell heißt es: „We have one last canon shot for you!“ Aber ein bisschen anstrengen dürfen die Fans sich doch noch: „You need to learn three words: Hail Jolly Roger!“ Trotz kleiner Startschwierigkeiten findet Sänger Michele Guaitoli schnell den Draht zum Publikum und reißt die Meute ein letztes Mal mit. „Armada„ beendet diese Kaperfahrt und sicherlich haben Visions Of Atlantis hier ein paar neue Landratten in ihre Mannschaft aufnehmen können.
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Jetzt heißt es Hüte festhalten und Anker lichten, Mr. Hurley und die Pulveraffen haben die Flagge mit dem „Affentotenkopp“ gehisst. Die erste Zeile „Alle Mann und Frau an Deck!“ hat sich wohl das gesamte Festival zu Herzen genommen, das Infield platzt aus allen Nähten. Spätestens bei „Leuchtturm“ gibt es kein Halten mehr: Schnapsnasen, Handylichter und Sonnenbrand leuchten in der Menge um die Wette und die Piratenparty steigt. Natürlich wird auch kräftig geschunkelt, wie es sich auf einem Rock- und Metal-Festival gehört. Die Stimmung ist ausgelassen und ein Chaos aus Plüschaffen, Poolnudeln und Crowdsurfen feiert vor der Bühne.
Neuigkeiten gibt es auch, im September erscheint ein neues Album mit dem vielversprechenden Titel „S.O.S.“. Die erste Single „Piraten: Megageil“ entert schon jetzt die Gehörgänge. Und keine Sorge, der einäugige Morgan verspricht, dass die piratigen Geschichten noch lange nicht auserzählt sind. Schließlich haben sie mit Mr. Hurley ja einen unerschöpflichen Quell an … nunja… Ideen. Als kleine Erläuterung gibt es „Meine Schnauze“, begleitet von einem unendlichen Strom Crowdsurfern. Eigentlich sollte jetzt eine kleine Danksagung an Crew und Fans folgen, aber natürlich kann Mr. Hurley immer noch nicht seine Schnauze halten. Letzlich kann er aber mit einer Flasche Pfeffi erfolgreich von der Bühne geangelt werden.
Buckteeth Bannock wagt sich passend zu „Mitt’n rein“ tatsächlich in die Menge. Der Circlepit um ihn herum entfacht dabei einen beachtlichen Staubtornado. Doch wie überbrückt man nach dem Lied die peinliche Stille, bis er zurück auf der Bühne ist? Mr. Hurley hat glücklicherweise eine Erleuchtung: „Ich habs! Schnaps! Jeder trinkt auf sich, dann ist auf jeden getrunken!“ So viel gelebte Weisheit will erst einmal verarbeitet werden.
Zum Finale kehren die Pulveraffen zu ihren musikalischen Wurzeln zurück, ein Medley aus verschiedenen Shanties, aber auch „Ganz klar gegen Nazis“ und „Schrei nach Liebe“ dürfen nicht fehlen. Natürlich endet das Set mit „Blau wie das Meer“, sonst hätte es wohl eine Meuterei gegeben. Wer jetzt auf den Rum gekommen ist, kann im Oktober erneut anheuern. Da setzen die Piraten zur nächsten Tour ihre Segel.
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Der Auftritt von DragonForce ist nicht einfach eine Show, sondern vielmehr ein nerdiges Spektakel. Links und rechts der Bühne stehen riesige Spielautomaten, blinken in grellen Farben und dienen der Band als schwindelerregende Riser. Nach dem ersten Song „Cry Thunder“, gibt es eine Quest fürs Publikum. Ein riesiges Plüschhuhn fliegt in die Menge und soll dort nach Möglichkeit die Show überleben. Doch statt seinen Weg zurück auf die Bühne zu finden, verschwindet das Huhn am Ende auf mysteriöse Weise Richtung Campground. Der Bösewicht scheint gesiegt zu haben – zumindest für heute.

„Power Of The Triforce“ feuert hämmernde Drums, scheppernde Gitarrenriffs und spektakuläre Funkenfontänen auf die Fans. „Fury of the Storm“ treibt die Energie im Infield weiter nach oben, aber es geht noch nerdiger, als Lieder über Drachen und Videospiele: „Space Marine Corp“ ist eine Hommage an das düstere Universum von Warhammer 40k. In der Menge tobt ein Circlepit, und wer Platz findet, macht sogar Liegestütze. Auf der Bühne hüpfen die Musiker:innen wie wild mit, Hampelmänner inklusive.
Mit „Doomsday Party“ erreicht der Wahnsinn einen neuen Höhepunkt: Die schrägsten Dancemoves werden zelebriert, auf der Bühne, im Publikum, überall. Der Spaß steht ganz klar im Vordergrund, und selbst ein Taylor Swift-Cover wird mit einem Augenzwinkern ins Set eingebaut, zur Freude der feiernden Menge.
Doch jede Party hat ein Ende und DragonForce beenden ihren Auftritt mit dem legendären Gitarren-Inferno „Through The Fire And Flames“. Ein echter Albtraum für jeden Guitar-Hero-Spieler, live aber ein absoluter Triumph. Die nerdige Traumreise endet hier und macht Platz für einen finsteren Albtraum …
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Zwischenspiel: Was geht eigentlich am NoCut Stand?

Neben Glücksraddrehen und einigen Gewinnmöglichkeiten gibt es heute ein „Spiel und Spaß“ mit Knorkator! Eine wirkliche Überraschung aber extrem gut besucht. Stumpen, Alf und BuzzD laden zum Mitmachen ein: Griff ins Klo, Apfeltauchen, Tomatenwerfen, Buletten Wettessen, Medizinballkopfstoßen, Dosenschießen und Laubläserselfis sind die Disziplinen. Aber keine Angst, jeder gewinnt. Ein Heidenspaß:
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… und das war nicht despektierlich gemeint! Zu Abbath fehlen mir persönlich die Worte, im wahrsten Sinne. Deshalb bin ich umso dankbarer, in meinem Freundeskreis drei topinformierte Ghostwriter:innen zu haben. Eigentlich hatte ich nur Stichworte und Songtitel erfragen wollen, allerdings wurde mir kurzerhand Stift und Zettel weggenommen und diesen fachkundigen Absatz verfasst:

Abbath hat mit seinem Auftritt die Tore nach Blashyrkh aufgestoßen. Auch wenn die Gitarren etwas leise gemischt sind, entfesseln sie einen eisigen Wind in Richtung der begeisterten Zuhörer:innen. Wie zuvor angekündigt spielt er eine „Doom Occulta“ Show, also ausschließlich Material seiner frühreren Band Immortal. Das Set umfasst eine ausgewogene Mischung ihrer bisherigen Alben. Abbath erfüllt mit seiner Bühnenpräsenz alle Erwartungen der Fans. Lange, schwarze Haare, Corpsepaint und Lederkluft, dazu reichlich Bühnennebel und Drums, die durchaus zu Herzrhythmusstörungen führen könnten. Songs wie „The Sun No Longer Rises“ erinnern an den Norwegischen Black Metal der 90er und eins steht fest: Trver kann es heute nicht mehr werden.
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Im Krabbengang geht es rüber zur Dark Stage. Der Abend hat sich gerade erst angenehm abgekühlt, da durchschneiden riesige Feuerfontänen die Luft – ASP eröffnen ihren Auftritt mit „Raise Some Hell Now!“ und nicht nur die Temperatur wird angeheitzt. Die Vorfreude in der Menge ist körperlich spürbar und auch Sänger Asp hat sichtlich Spaß.
„Ihr schönen Menschen auf dem Rockharz, seid ihr bei uns?“ – und wie! Ohrenbetäubender Jubel, Applaus und natürlich „Ich will brennen“-Rufe übertönen fast das Mikrofon. Aber so nicht!
„Denn ich bin dein Meister“ stellt erst mal klar, wer hier das Sagen hat. Natürlich der „Fürst der Finsternis“, Asp wickelt die Fans von der ersten Sekunde mit Leichtigkeit um den Finger. Aber er sorgt sich auch um seine düstere Gemeinschaft: „Wie fühlt ihr euch? Könnt ihr noch?“ – eine durchaus berechtigte Frage am letzten Festivaltag. Doch Müdigkeit hat heute Abend keinen Platz. „Es ist so schön, dass wir uns hier unter der Teufelsmauer wiedersehen, denn ich bin ein wahrer Satan!“ Das Intro verschluckt den Jubel des Publikums. Hinter der überzeichnet-dämonischen Inszenierung wird klar: Die politische Botschaft in diesem Lied ist ernst gemeint und leider aktueller denn je.
Schlag auf Schlag folgt eine grandiose Mischung aus bewährten Klassikern und neuen Lieblingen. Ein bisschen was zum Kichern ist auch dabei, den Text zu „Flickenpuppe“ sollten man sich vorher gut durchlesen, um eventuellen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Der Auftritt ist wie immer viel zu kurz, aber das tut der magischen Verbindung zwischen Band und Publikum keinen Abbruch: „Ich kann fühlen, wie es in euren Adern pulsiert!“, „Schwarzes Blut“ natürlich!

Auch mit „Kosmonautilus“ wird die Andersartigkeit gefeiert, „Lykanthropie“ huldigt diesem schmalen Grat zwischen Liebe und Besessenheit. Der Höhepunkt darf natürlich nicht fehlen: „Ich Will Brennen“ rundet mit reichlich Feuerfontänen diesen Auftritt ab.
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Ungewöhnlich viele Menschen und ein paar finstere Kreaturen tummeln sich auf der Rock Stage, das bedeutet, es ist mal wieder Zeit für ein fettes Dankeschön. Thorsten „Buddy“ Kohlrausch bedankt sich bei der Crew, den Besucher:innen und den Bands für das friedliche, liebevolle Miteinander auf dem Festival. Er ist scheinbar aufgeregt und ein bisschen fahrig, den Grund dafür wird später noch klar werden. Erst einmal gibt es donnernden Beifall für all jene, die ein Jahr lang auf das Gelingen des Rockharz 2025 hingearbeitet haben und sich ab morgen wieder an den Schreibtisch setzen und dafür sorgen werden, dass 2026 mindestens genauso geil wird.

Nach Jubel und Begeisterung wird dann auch endlich klar, woher die Aufregung wirklich stammt, denn die Menge darf einem sehr privaten Moment beiwohnen: Buddy macht seiner Dani einen Heiratsantrag. Das kleine, etwas perplexe „Ja!“ wird mit lautem Jubel und Applaus gefeiert und hier und da werden ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln gewischt. Da bleibt nicht mehr viel zu sagen, außer: „Vielen Dank! Auf viele weitere Jahre! Habt ihr noch Bock? Könnt ihr noch? Sehen wir uns nächstes Jahr?“ Drei mal Ja, drei mal Hurra! Aber der Ticketkauf ist ein Montagsproblem, schließlich scharren da noch ein paar Musiker ungeduldig mit den Dudelsäcken…

Mit einem lauten Knall fällt das Banner vonIn Extremo zu Boden, und der erste Song „Ólafur“ eröffnet den letzten Headliner-Auftritt. Zu „Spielmannsfluch“ regnet es dankenswerterweise kein Blut, dafür aber rote Funkenfontänen. Das Letzte Einhorn bedankt sich herzlich für den grandiosen Empfang und die Ehre, das Festival ausklingen zu lassen. Doch noch geht die Reise geht weiter, „Weckt die Toten“ entfacht tatsächlich neue Lebensgeister und Feuerfontänen sprühen in den dunklen Himmel. Auch der Titeltrack des aktuellen Albums, „Wolkenschieber“, darf nicht fehlen. Trotz der späten Stunde fliegen noch Crowdsurfer über die Menge. Doch dann wird es ruhiger und ergreifender. „Feine Seele“ ist eine Ballade für all jene, die einen geliebten Menschen verloren haben, das Publikum erleuchtet die Nacht mit einem Meer aus Handylichtern und Feuerzeugen. „Das ist gut füs Herz!“, kommentiert das letzte Einhorn begeistert.
Aber es gibt auch Grund zu feiern: es ist mittlerweile nach Mitternacht, also hat Dr. Pymonte, unter anderem an Schalmei und Marktsackpfeife zu finden, heute Geburtstag. Ehrensache, dass das ganze Rockharz ‚Happy Birthday‘ für ihn singt.
„Vollmond“ erkennt das erfahrene Publikum schon am Intro und singt allein die erste Strophe. Bei „Liam“ bittet der Sänger, alle die Arme zu heben, schmunzelt dann und fügt hinzu: „Ist nicht schlimm, nach fünf Tagen ist der Geruch egal!“ Ein Lachen geht durch die Reihen – leicht gesagt, wenn man auf der Bühne steht und nicht in der Menge.
Mit „Ai Vis Lo Lop“ hat damals alles begonnen, im September feiert die Band ihr 30-jähriges Bestehen mit einem 3-tätigen Festival an der Loreley. Der Jubel der Fans verrät, dass die meisten sich wohl schon ihr Ticket gesichert haben. „Sternhagelvoll“ war für manche in den letzten Tagen das Motto, das ganze Festival schunkelt einträchtig, sogar die Grabenschlampen stimmen ein. Zum grandiosen Abschluss gibt es „Pikse Palve“, bei dem alles an Pyrotechnik, was noch in den Rohren war, verfeuert wird. Die Menge jubelt, die Band und das Publikum können sich kaum trennen. Minutenlang hallt der Applaus durch die Nacht, aber irgendwann ist das letzte Plektrum geworfen und alle Stimmen heiser.
Anmerkun zu den Fotos: Wir durften nicht vor der Band, sondern nur von einer Seite fotografieren. Daher hier die wenigen guten Fotos:
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Es ist ein seltsames Gefühl, ein letztes Mal über das Infield und den bereits lichter gewordenen Campground zu laufen und für dieses Jahr Aschied vom Rockharz zu nehmen.

Eine Woche Harzer Sauna mit Staubaufguss liegt hinter uns, aber jetzt ist ja ein Jahr Zeit, den Sonnebrand und Tinnitus auzukurieren.
Der Ticketverkauf am Montag eröffnete erst mal für Stammkund:innen, nach zwei Stunden waren bereits 70% der Tickets verkauft. Das Line Up lockt, der Harz ruft. Sehr laut wie es scheint, denn nach drei Tagen hisst der Shop die weiße Flagge: alle Tickets für 2026 sind weg. Keine Panik, ein Restkontingent wird es wohl noch geben. Aber lange zögern sollte man nicht, wenn man im kommenden Jahr wieder am Fuß der Teufelsmauer zu guter Musik im Matsch versinken oder in der Sonne knusprig gebraten werden möchte.
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Rockharz 2025 – Der Film
Bereits für 2026 bestätigt: Helloween, Alice Cooper, Emperor, Knorkator, Subway To Sally, Agnostic Front, Kataklysm, Biohazard, Annisokay, Dominum, Betontod, Finntroll, Soulbound, Ex Deo, Gothminister, Motorjesus, Stahlmann, Haggefugg, Die Habenichtse, Final Cry.
Robse
Bokassa
Pro Pain
Grand Magus
Avatartrium
Combichrist
Frog Leap
Tragedy
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(VD)

