Wenn im beschaulichen Städtchen Bückeburg Autos dicht an dicht parken und sich dazwischen Ritter und Zauberer bewaffnet mit Schwertern und Bollerwagen tummeln, kann das nur eins bedeuten: Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, kurz MPS, gastiert wieder auf den Schlosswiesen mit historischem Ambiente.

Am ersten von zwei Wochenenden wird den Besuchern wieder ein ordentliches Programm geboten: Musik und Gesang auf größeren und kleineren Bühnen, Ritterturnier und Schwertkämpfe, Händler bieten ihre Waren feil.

Für uns geht es direkt zur ersten Runde des Turniers. Mit Witz führt der Herold die Gäste durch die Geschichte, die dieses Mal von tapferen Drachentötern handelt. Da Drachen nun aber fantastische Wesen sind, haben zwei Zauberinnen da gehörig etwas dagegen. Um herauszufinden, welche Partei recht hat, messen sich die Ritter in Geschicklichkeit und Mut, etwa beim Ringe mit der Lanze fangen oder Tjosten.
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Auf der MPS Bühne, der Hauptbühne, eröffnen um 15:00 Uhr Mr. Irish Bastard, mit irischem Folk, wie er im Buche steht. Der sorgt bei bestem Wetter für gute Laune und ist perfekt geeignet, um mit einem Bier auf der Wiese zu sitzen. Das Zusammenspiel von Instrumenten wie Akkordeon und Geige macht der Menge Lust auf mehr. Das Publikum ist zwar noch nicht in großer Zahl erschienen, aber alle, die da sind, machen ordentlich Stimmung.
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Fast gleichzeitig stehen auf der zweitgrößten Bühne Kupfergold in den Startlöchern. Scheinbar kann die Band es kaum erwarten, dem zahlreich erschienenen Publikum ihr im Mai erschienenes Album „Fasan Alarm“ zu präsentieren, denn als wir überpünktlich eintreffen, begrüßt Sängerin Bonnie bereits auf ihre herzliche, Rheinländer-Art die Fans.
Diese sind zahlreich erschienen, und das dürfte nicht nur an der günstigen Lage der Bühne zwischen Essens- und Getränkeständen liegen. Passend dazu gibt es mit dem wortwitzbeladenen Song „Der Metmeister“ eine wahre Kostprobe besagten Albums.
Die Erklärung, warum man unbedingt Kupfergold feiern sollte, gibt es bei „Kupfer und Gold“ auch direkt hinterher. Dass Kupfer und Gold die beste Legierung der Metalle seien, überzeugt hier wohl die meisten, denn still stehen die meisten nicht mehr. Wer sich keiner Polonaise anschließt, tanzt einfach so zu den entspannten Mittelalter-Beats.
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Während Kupfergold ihren ersten von einigen Auftritten des Wochenendes beenden, werden auf der Hauptbühne die Segel gen karibisches Osnabrück gesetzt. Mr. Hurley und die Pulveraffen stimmen das Publikum ein auf eine Party zur See. Nachdem sich bei „Tortuga“ oder „Achterbahn am Achterdeck“ in den ersten Polonaisen aufgewärmt wurde, muss auch etwas für die musikalische Früherziehung der jüngsten Fans getan werden: „Piraten: Megageil“ erklärt, warum Piraten einfach cooler sind, als Römer oder Ägypter. Mehr triftige Gründe gibt es dann im Album „S.O.S“ zu hören, das am 4. September erscheint.
Natürlich darf bei einem Auftritt der Pulveraffen auch kein Besuch der Band im Publikum fehlen und welcher Song wäre da besser geeignet als „Mitt’n rein“?
Nach über einer Stunde kehren die Piraten dann zurück in den Hafen und geben die Bühne frei für Versengold.
Bis dahin ist aber noch etwas Zeit, das Gelände zu erkunden. Auf der Bühne der Spielleute beim Mausoleum wird Rapalje gelauscht oder zu Katerfahrt getanzt.
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Auch die Falknerei Skyhunters aus Frechen hat wieder ihre beeindruckenden Vögel dabei, die sich bei den Besuchern auf die Hand setzen lassen. Dabei lässt es sich unter den wachsamen Augen der Tiere gut ins Gespräch kommen.
Geht man weiter in Richtung der Heerlager, tönt von hier und da Dudelsackmusik, oder eine kleine Gruppe singt, begleitet von einer Akustikgitarre.

Die Heerlager selbst sind mit Liebe zum Detail gestaltet und Künstler wie zum Beispiel Bagatelli, der längst zum Inventar des MPS gehört, zeigen ihre Tricks. Er balanciert dabei unter dem Jubel des auf Strohballen verteilten Publikums so ungefähr alles zwischen Glasflasche und Schubkarre auf seinem Kinn.

In der Zwischenzeit ist es vor der Hauptbühne so richtig voll geworden und in goldener Abendsonne eines heißen Tages geben sich Versengold die Ehre. Mit dem Opener „Niemals sang- und klanglos“ ist direkt klar, in welche Richtung die Show geht. Immer laut, immer vorwärts und immer herzlich ist hier das Motto.
Dass es bereits zu Beginn des Konzerts den ein- oder anderen Moshpit gibt, dürfte auch nicht hauptsächlich an den angenehmeren Temperaturen liegen, sondern vor allem daran, dass Versengold einen Kracher nach dem anderen raushauen. Sänger Malte fordert das Publikum auf, zu sein, wie Dudelsäcke, nämlich „nicht schön, aber laut“. Das klappt hervorragend und die Ratschläge bezüglich des Umgangs mit „Thekenmädchen“ werden lautstark in den Abend gerufen. Die Band gehört auch zu den Urgesteinen des MPS und spielt hier auch gern ältere Songs, die ansonsten nach eigener Aussage ein wenig das Nachsehen haben.
Zum Ende hingeht es auch für Malte und Flo mit seiner Geige ins Publikum. Die Zugabe sorgt mit „Die letzte Runde“ für Nachdenklichkeit und emotionale Momente. Die allgemeine Gänsehaut, die der Text jedes Mal verursacht, war förmlich sichtbar.

Mit „Butter bei die Fische“ gibt es noch einen Abschluss, bevor Versengold sich unter langanhaltendem Applaus endgültig verabschieden.
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Der Abschluss des Samstagabends obliegt Feuerschwanz, und getreu dem Namen wird es heiß. Nach einem feurigen Beginn wird erstmal die obligatorische Frage gestellt: „Habt ihr Bock zu Feiern?“, die ebenso obligatorisch mit „Jawohl mein Hauptmann“ beantwortet wird. Damit wäre zwischen Publikum und Band auch alles geklärt und die Party zwischen Met, Drachen und Feuer kann starten. Während vor der Bühne fleißig Circle Pits gebildet werden, stechen auf der Bühne besonders die beiden Schildmaiden hervor, die durch tänzerisches Können und den Umgang mit Feuer beeindrucken. Auch ein wenig Konkurrenz zwischen dem Hauptmann und Hodi darf nicht fehlen. Vor „Ultima Nocte“ teilen beide das Publikum auf, um herauszufinden, wer denn die lautere Hälfte vor der Bühne hätte. Ein klarer Sieger ließ sich zwar nicht ermitteln, aber bei so viel Zustimmung der Fans ist das auch nicht schlimm.
„Schubsetanz“ und „Berzerkermode“ sind Programm, es gibt fast immer irgendwo einen Moshpit. Zwischendurch verdeutlicht „Hurra Hurra, die Pest ist da“, der mit Abstand älteste Song im Set, die musikalische Entwicklung der Band von der kleinen Mittelalter-Folk-Truppe zu einer fulminanten Feuershow mit deutlichen Metal-Einflüssen.

Die Kostproben des Albums „Knightclub“, das am 22. August erscheint, verdeutlichen, dass Feuerschwanz weiter in diese Richtung wenden, was dem Publikum gefällt. Mit dem „Elften Gebot“ entlassen Feuerschwanz das Publikum glücklich, aber dennoch ein bisschen nachdenklich in die Nacht, denn die Botschaft, im Hier und Jetzt zu leben, ist sich wirklich zu Herzen zu nehmen.
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So verstreut sich die Menge unter dem Nachthimmel wieder in die Heerlager oder auf den Campingplatz. Nachdem sich bei so viel Pyrotechnik keine Regenwolke in die Nähe des Bückeburger Schlosses gewagt hat, besteht eine gewisse Hoffnung darauf, dass die Sonne das MPS auch am morgigen Sonntag ebenso strahlend besuchen würde.
(ND)
