
Der Sonntag begrüßt das Fährmannsfest ohne Regen, aber mit kühleren Temperaturen. Was hilft da am besten?

Richtig, eine Runde tanzen, wenn Plaiins die Musikbühne rocken. Das Quartett aus Hamburg hatte durch seine Gründung Ende 2020 definitiv nicht den einfachsten Start, was Live-Auftritte angeht, dafür aber schon über 20 Singles und EPs auf Spotify veröffentlicht. Die flotte Mischung aus Indie-Rock und Punk ist sehr tanzbar und so gelingt es der Band mit links, das Fährmannsfest aufzuwecken. Am 15. August erscheint ihr Debütalbum „Happy Faces“. Ob deshalb Papiertüten mit verschiedenen Grimassen die Bühne zieren? Originell ist diese Dekoration in jedem Fall.
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Sonntag – das ist auch Wochenende und Familienzeit. Deshalb finden sich auf der Faustwiese die heimlichen Stars des Wochenendes: die Kids. Beim Kinderschminken in bunte Feen und Prinzessinnen verwandelt, hüpft es sich schließlich am besten in der Hüpfburg. Währenddessen bieten Engagierte der „Aktion Limmerstraße“ an kleinen Ständen ihre Waren oder frisches Essen feil. Unser Geheimtipp sind übrigens die selbst gemachten Falafel.
Zeitgleich und direkt daneben findet das traditionelle Lindener Butjerfest als Nachbarschaftsfest statt. Multikulturell und herzlich wird hier Miteinander und Tradition gelebt. Es wird getanzt und an einer sehr langen Kaffeetafel gibt es Speis, Trank und Geschichten zu hören.

Auch musikalisch ist für die Kids was dabei: Egon und die Treckerfahrer eröffnen die Bunte Bühne mit rockigen Covers von Bibi&Tina und anderen Serienintros. Außerdem wird schon den Jüngsten humorvoll erklärt, dass Landwirtschaft Spaß macht und warum man unbedingt Trecker fahren sollte. Trotz des nicht ganz so sommerlichen Wetters platzen die Bierzeltgarnituren vor der Bühne aus allen Nähten.
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Auf der Musikbühne stehen als nächstes Three Minute Picture in den Startlöchern.

Passend zum heutigen Farbmotto des Moderatorenteams ist auch hier alles lila. Das gilt sowohl für die Bühne als auch für die Fans, die sich reichlich mit Merch eingedeckt haben. 2021 hat sich das Trio in Hannover gegründet, in „der schönsten Stadt der Welt“, wie Moderatorin Pia bei anderer Gelegenheit schon feststellte. Das Trio bringt den Pop-Punk der frühen 2000er, der die meisten Besucher an unbeschwerte Jugendtage erinnern dürfte, gekonnt in die Gegenwart. Dabei ist der Name Programm, wie Sänger Max ankündigt: „Wir sind Three Minute Picture und malen Musikgemälde in drei Minuten“. Das funktioniert wunderbar, die Songs sind tanzbar und machen einfach gute Laune, sowohl bei den kleinen als auch bei den großen Besuchern. Da kommt sogar ein bisschen die Sonne heraus.
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Nach dieser musikalischen Sommerparty im Bilderbuchformat sind B!Kong dran. Da heißt es erstmal einen Gang zurückschalten – leider. Was eigentlich geschickte Texte mit orchestralen Elementen sein sollen, geht etwas unter. Zwar glänzt Sängerin Eiki mit einer fantastischen Stimme, aber die etwas zu gewollt wirkenden Ansagen von Sänger und Gitarrist Hans sind einfach zu lang. Statt sich also auf das Zusammenspiel von Orchester und Melancholie oder Gitarrenriffs und Enthusiasmus konzentrieren zu können, wird der Zuhörer immer wieder durch diese Ansagen unterbrochen. So kommt es, dass es zum ersten und einzigen Mal an diesem Wochenende auf der Brücke mehr los ist, als direkt vor der Bühne.
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Anschließend sind 24/7 Diva Heaven dran. Die drei Damen strotzen nur so vor Energie und Attitüde, die mitreißt. Als erste Amtshandlung wird erstmal das Publikum aufgefordert, näher an die Bühne zu rücken. So kann man schließlich besser sehen und hören, was da abgeht. Und das lohnt sich. Mit ihrem im letzten Jahr erschienenen Album „Gift“ gibt es Gesellschaftskritik vom Feinsten verpackt in rockige Sounds. Besonders Schlagzeugerin Marie merkt man sichtlich die Freude an der Musik an. Wenn sie nicht schon mit dem Spielen alle Hände (und Füße) voll zu tun hätte, würde sie wahrscheinlich noch dazu tanzen.
Die etwas raue Stimme von Sängerin Katharina kommt bei den Fans gut an, und nachdem es bei B!Kong etwas ruhiger war, wird nun vor der Bühne wieder alles gegeben.
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Zum Abendessen (Falafel!) geht es wieder auf die Faustwiese. Musikalisch begleitet, oder eher in ihren Bann gezogen, wird sie dabei von Jeanie auf der Bunten Bühne. Simpel, nur mit einem verschnörkelten Neon-Schriftzug im Hintergrund, und fast noch ein bisschen schüchtern steht sie auf der Bühne. Bis sie zu singen anfängt. Jeanie, erst seit letztem Jahr aktiv, hat eine Stimme, die sich hören lassen kann. Gemeinsam mit Soul und Synthies gibt das eine tolle Kombination. Das zahlreich erschienene Publikum und die vor der Bühne herum springenden Kids geben ihr dabei auf jeden Fall recht.
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Apropos herumspringen: Hinter den Kulissen der Musikbühne warten schon Alex Mofa Gang darauf, auf die Bühne zu springen …

… und das war wörtlich gemeint. Wenn irgendwo auf der Bühne gesprungen wird, dann hier. Sänger Sascha springt von Beginn an auf und ab, versucht das Publikum dazu zu animieren, es ihm gleichzutun. Auch soll näher an die Bühne gekommen werden, denn „je dichter ihr steht, desto weniger könnt ihr ausrutschen“, ist doch klar. Zunächst ist das Publikum noch etwas träge, aber im Laufe des Konzerts nimmt die Sache Fahrt auf. Sascha hat auch eine gute Nachricht für das Fährmannsfest: „Hier sind so viele Menschen und keine Nazis in Sicht“. Als passendes Statement folgt „Kein Land in Sicht“.
Irgendwann lassen sich dann auch die ersten Crowdsurfer blicken, mittlerweile ist im Publikum eine Party im Gange, die der auf der Bühne ernsthaft Konkurrenz macht.
Auch farblich zum heutigen Motto passend, kommt das aktuelle Album „Euphorie am Abgrund“ mit lila Cover daher. Davon zu hören gibt es beispielsweise „Mann von gestern“, ein Song, der zum Nachdenken anregt. Schließlich werden alle einmal älter und laufen Gefahr, engstirnig zu werden.
Irgendwann ist die Party aller Nachdenklichkeit zum Trotz so gut geworden, dass Sascha mit in die Menge möchte. Und das nicht irgendwie, sondern auf einem Case, getragen von der ersten Reihe stehend.
Davor wird sich versammelt, um ihn zu fangen, wenn er springt – natürlich mit einem Salto. Damit ist das Springen perfekt und die Stimmung an ihrem Höhepunkt. Natürlich geht auch dieser Auftritt viel zu schnell zu Ende.
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Den Wochenendabschluss auf der Bunten Bühne übernehmen Fun Fun Crisis, Hannoveraner Urgesteine der Szene und Geheimtipp des Abends, wie uns auch die ein oder anderen Besucher versichern.
Das Quartett nimmt das Publikum mit auf eine Reise in die 90er, auf eine Reise in unbeschwerte Zeiten und zu Geschichten von damals. Das Ganze wird mit Energie und flotten Indie-Sounds erzählt, und die meisten Besucher werden in Erinnerungen schwelgen können.
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Lange können wir nicht verweilen, weil fast zeitgleich auf der Musikbühne die junge Band Steintor Herrenchor an den Start geht.

Die Herren aus Hannover haben „super geile City-Sounds“ dabei, so zumindest die Ankündigung seitens des Moderationsteams. Dahinter verbergen sich eher langsame Post-Punk Klänge mit deutlichen Einflüssen aus den 90ern. Dabei geht es um Gefühle, die erste Liebe, Ungewissheit über die Zukunft. Bei minimalem Lichtkonzept merkt man den Chorherren an, wie sehr sie ihre Musik fühlen. Das Gleiche gilt für die Fans. Das Nachmittagspublikum hat sich quasi komplett ausgetauscht und vermutlich zu Fun Fun Crisis begeben, vor der Bühne tummeln sich hauptsächlich Fans im gleichen Alter der jungen Musiker. Zum Feiern gehören hier eher filmende Handys als wilde Moshpits, aber die würden sowieso nicht zu den getragenen melancholischen Balladen passen.
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Alles in allem ist es ein gemütlicher Ausklang für diesen Sonntagabend.

Auch wenn es diesmal Wasser nicht nur in Ihme und Leine gab, sondern auch reichlich vom Himmel, lässt sich auf ein gelungenes und musikalisch sehr punkiges Fährmannsfest zurückblicken.
Mit einem letzten Bier von der Strandbar können wir sagen: Wir freuen uns aufs nächste Jahr!
(ND)
