
Beyond The Black auf musikmag.de
Wagen wir einen kleinen Höhenflug, bemühen ein paar Kategorien, öffnen ein paar Schubladen und werfen ein paar Begriffe in den Raum, um Label wie modern, symbiotic, accessible mal gehört und diesen Abend musikjournalistisch ausstaffiert zu haben.
Hübsch dekoriert ist auch das Capitol, denn die Fans der heutigen Bands – egal welchen Alters – strahlen dunkelbunt und trotzen Kälte, Eis und Glätte.

Seraina Telli bringt den Frühling.
Ein Garten aus Farben. Ein grüner Kobold, ein Elfchen, das weiß, dass „Straight-in-your-Face-Rock“ nicht immer wehtun muss, um Wirkung zu entfalten. Ihre Songs ranken, verzweigen sich, schlagen Wurzeln zwischen Pop und Punk. Emotionale Lyrics, melodische Verästelungen, ein lichter Sound – Tellis Stimme im engen Dialog mit den Drums. Ein bunter Strauß aus Songs über Haltung, Selbstermächtigung und emotionale Eigenverantwortung, eingehegt in ein helles Klangkonzept. Nicht belehrend, nicht erklärend – sondern selbstverständlich und ursympathisch.
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SETYØURSAILS geben sich da deutlich dunkelbunter.
Hier wird die Anheizerpose ausbuchstabiert, der Boden fester, der Puls schwerer. Jules Mitch feuert an, treibt, reißt mit. Sie steht nicht still, weil Stillstand diesem Sound widersprechen würde. Modern Metal ist Austausch, Rückkopplung, kollektive Bewegung. Die Gitarren drücken, die Breakdowns zwingen zur Entscheidung: mitgehen oder stehenbleiben. Die Stimme steht vorne, weil sie muss. Führung ist hier körperlich gedacht. Riffs wie Betonplatten. Direkt. Zeitgenössisch. Unmissverständlich. Vielleicht dürfte Mitch sich selbst dabei noch ein wenig mehr vertrauen. Weniger Einpeitscher, weniger Ansagen – mehr Raum für die Songs. Manchmal ist weniger mehr.
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Und dann Beyond The Black.
Der Vorhang fällt, der Raum öffnet sich, Jennifer Haben und Band werden emphatisch empfangen. Symphonic Metal, der seine Nähe zur Popmusik kennt und sie nicht verleugnet. Große Refrains, klare Linien, orchestrale Farben – nichts davon als Selbstzweck. Jennifer Habens Stimme steht im Zentrum wie ein Kompass: führend, fokussiert, souverän. Keine Operngeste, kein Pathosüberschuss. Stattdessen Songs, die tragen, verbinden, Stärke in der Verletzlichkeit skizzieren und Kontraste feiern. Nähe und Distanz. Kontrolle und Hingabe. Das Licht jenseits der Schatten. Hier ist der Name Programm, das Publikum tanzt und liebt’s.
„It’s time to break the silence
Speak up, say it loud
Your time’s running out“
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Was diesen Abend und das Line-up besonders macht, ist nicht die Tatsache, dass hier Frauen am Mikrofon stehen. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie den Ton angeben.
Drei Acts.
Drei musikalische Handschriften.
Drei Mal Souveränität.
Ein kleines Spektakel, ein Fankonzert, ein Antanzen gegen die Kälte, die draußen, vor dem Capitol knirscht.
Beyond The Black auf musikmag.de
(IH)
Paint It Black (The Rolling Stones song)
Break the Silence
Hysteria
Rising High
Heart of the Hurricane
Reincarnation
Songs of Love and Death
Wounded Healer (Synth version)
Ravens
The Flood
Lost in Forever
Written in Blood
Let There Be Rain
When Angels Fall
Shine and Shade
In the Shadows
Encore:
The Art of Being Alone (Chris Harms on screen)
Running to the Edge
Hallelujah
