Kill the Light Festival – Premiere mit Herz und Liebe fürs Detail

Der Harz ist nun seit eh und je ein Ort voller Sagen und Mystik. Wo wäre also ein kleines, feines Festival wie das Kill the Light also besser aufgehoben, als im schönen, etwas verschlafenen Ilsenburg bei Wernigerode?
Eigentlich eher bevölkert von Wanderern und Urlaubern, ziehen heute erstaunlich viele schwarz gekleidete Leute durch die malerischen Straßen am Flüsschen Ilse entlang. Erst zu den Ilsefällen, dann ins Industriegebiet, lautet hier die Devise.

Allein die Location, die historische Fürst Stollberg Hütte, ist ein Hingucker. 1530 erbaut, erzählt sie fast 500 Jahre Industriegeschichte vor der malerischen Kulisse des Harzes. In der Hütte selbst herrscht, wie vom Veranstalter angekündigt, eher ein „überdachtes Open Air“ Feeling. Betritt man die Halle, steht am anderen Ende vor dem Giebel die Bühne, rechts und links reihen sich Merchstand (produziert per Siebdruck in liebevoller Handarbeit!), Vintage-Flohmarkt, Fotowand und Tattoo-Studio aneinander. Umgeben wird die Kulisse von der größten Eisenofenausstellung in Europa, zu der man vor der ersten Band eine Führung machen konnte.
Vor der Halle ist für das leibliche Wohl gesorgt, natürlich auf regionaler Basis. Kurzum, das Setup lädt die Besucher ein, sich schonmal auf die kommende Festivalsaison einzustimmen. Die Abendsonne lädt sogar schon dazu ein, den allgemeinen Anblick auf der Wiese sitzend zu genießen.

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Wisborg haben als erste Band die schöne, aber immer nicht ganz einfache Aufgabe, die Premiere des Kill the Light zu eröffnen. Das meistert das Quartett aus Hannover mit Bravour und zieht mit starken Einflüssen aus dem Goth Rock der 90er ein beachtliches Publikum vor die Bühne. Auch wenn die Location für die Tontechniker durchaus eine Herausforderung darstellt, liefern Wisborg voller Charisma eine tanzbare Show ab, und es werden trotz gar nicht mal so hoher Temperaturen die ersten Jacken direkt wieder ausgezogen.
Die Songs gehen vorwärts, das Publikum auch. Das neue Album „Phantomschmerz“ kommt wie sein Vorgänger mit deutschsprachigen Texten daher und trägt zu einer bunt gemischten Setlist bei, die die Fans mitreißt.
Nur auf der Bühne zu stehen ist dann irgendwie auch langweilig und so begibt sich ein Teil der Band gegen Ende des Auftritts in die Menge. Warm-Up? Check.
Hinterher stelle ich fest, dass sich der ein oder andere Song definitiv auch in meine Playlist geschlichen hat. Am 27.11.2026 kommen Wisborg auch nach Hannover.

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Die Menschenmenge in der Fürst Stollberg Hütte hat sich also im Wesentlichen vor die Bühne verlagert, als Zetra sich anschließen. Allerdings gelingt es dem Duo eher weniger, ein großes Publikum zu halten. Dafür scheppern die Synthies des Duos atmosphärisch durch die Halle, die von dem melancholischen, tragenden und oft zweistimmigen Gesang erfüllt wird.
Das Kill the Light beweist damit, wie vielfältig die Szene ist. Wo eben noch getanzt wurde, stellen sich nun bald Trance-ähnliche Zustände ein. Das Publikum ist zufrieden und völlig im Bann von Zetra.

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Anschließend sind mit Zeraphine wirkliche Klassiker des Dark Rock dran. Obwohl das letzte Album mittlerweile fast älter ist als die jüngste anwesende Fangeneration, sind die melancholischen Klänge zusammen mit der kraftvollen und zugleich sanften Stimme von Sänger Sven zeitlos geworden. Die Texte sitzen bei den Fans, als wären die Anfänge der Band, die mittlerweile 25 Jahre zurückliegen, erst gestern gewesen. Die Mischung aus Dark und Alternative Rock wird hier in der Fürst Stollberg Hütte zur Zeitreise, geprägt von Nostalgie, Melancholie und leuchtenden Augen im Publikum. Sänger Sven betont, dass es eine große Ehre sei, bei der Premiere eines Festivals dabei sein zu dürfen. Das können wir so unterschreiben, bevor Zeraphine das Publikum mit einem Cover von „Mr. Brightside“ und „Be My Rain“ in die nächste Umbaupause entlassen.

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In diesen Pausen laden Stände drumherum zum Stöbern und Entdecken ein. Ob an der Fotowand Statements gegen Nazis gesetzt werden, mit den Bands am Merch erzählt wird oder es doch draußen Burger gibt, es herrscht ein fröhliches Treiben all überall.

Wie immer, wenn etwas schön ist, vergeht die Zeit wie im Flug und schon steht mit Lacrimas Profundere die vorletzte Band des Abends in den Startlöchern. Sänger Julian bringt eine Energie mit auf die Bühne, dass es eine Freude ist. Der Funken springt sofort auf die Fans über, es steht direkt vor der Bühne kaum mehr jemand still. Auch Julian hält es nicht lange auf der Bühne, sondern er springt sehr bald ins Publikum oder aufs Barriere, feiert Seite an Seite mit dem Publikum. Die Stimmung kocht, und Kill the Light ist Programm, da es mittlerweile dunkel geworden ist. Trotz aller das Genre gebietenden Düsternis wird zu Lacrimas Profundere gefeiert, wenn Klassiker wie „A Cloak Woven of Stars“ geschmettert werden.
Die Band ist auch auf Tour, irgendwann dieses Jahr gibt es noch ein neues Album dazu.

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Da die Stimmung nun einmal am Siedepunkt ist, wird es Zeit für The 69 Eyes. Mit einer teuflischen Stimmung leitet die Band mit „Devils“ ihre Show ein. Sonnenbrille sitzt, Publikum ist begeistert, ein kleines bisschen Pathos für die Urgesteine der Szene. Die Setlist ist eine Reise durch über 35 Jahre Bandgeschichte, die Show sitzt perfekt. Goth Rock vom Feinsten Made in Finnland begeistert die Fans nach wie vor. Mit großen Gesten, dem ein oder anderen Kniefall und seiner dunklen Stimme zieht Sänger Jyrkie 69 das Kill the Light in seinen Bann. Viel zu schnell ist das Set vorbei und es wird zu Recht lautstark nach einer Zugabe verlangt.
Die soll das Publikum auch bekommen und mit „Lost Boys“ wird die Menge traditionell in die Nacht entlassen.

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Wer nicht zum letzten Zug sprinten muss, bekommt noch die Gelegenheit, den Abend mit Musik von DJ Dark Rebell ausklingen zu lassen und auf der Tanzfläche noch einmal alles zu geben. Um 1 Uhr ist dann endgültig Schluss und in guter Stimmung und voller Erinnerungen an einen wirklich gelungenen Abend wird sich auf den Weg zu Wohnmobil oder Ferienwohnung gemacht.

Wir hoffen auf die Wiederholung im nächsten Jahr!

(ND)