
Für den American Dream, diese Idee, jede*r könne durch harte Arbeit und unabhängig von class, race, gender zu Reichtum gelangen, ist der Glaube daran, dass jeder Mensch über die gleichen Chancen verfügt, fundamental. Auch wenn wir wissen, dass das Bullshit ist, lieben wir die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Storys. Diese hier könnte „Von Urlaubern zu PotStars“ heißen. Zugegeben der Vergleich hinkt nicht nur in Sachen gutes Geschirr, doch die Topfköpfe leben einen Traum und verfügen zweifelsohne über unendlichen immateriellen Reichtum: treue Fans, ein Leben für die Musik und echte Unabhängigkeit. Jackpot!

Ihr Erfolgsrezept scheint in der Reduktion aufs Wesentliche zu bestehen. Anzüge, Sonnenbrillen und keinerlei dekorativer Überbau. Weder im Stil noch im Setting. Kein Support, kein opulentes Bühnenbild, keine ausgeklügelte Bühnenshow, keine Backgroundtänzer*innen. Das Setup im Musikzentrum Hannover ist roh. Ein paar ausrangierte Schaufensterpuppen flankieren Robert Puls Drumset und während Bradley Koks Physiognomie Bände spricht, scheint Jeffery Moore die Blaupause für das Bewegungsspektrum von Rock-Bassisten. Ein stoisches Klischee, doch in den Gläsern seiner Sonnenbrille spiegelt sich ein Publikum, das euphorischer nicht sein könnte.

Sounds like Pot ’n‘ Roll.
Tief gestimmte Gitarre, ein präsenter Bass und ein Schlagzeug, das den Groove erdet. Ein Dreisatz, der auf Bombast und Spielereien verzichtet und den Songs einen Sound verleiht, der kreisend, hypnotisch den Verdacht erzeugt, auch eine gehörige Portion Post-Rock würze den Bombast-Stoner-Pot gehörig. Das einzig Filigrane an Pothead ist Bradley Koks’ weißes Haar, das im Ventilatorenwind zittert. In diesem Moment, auf dieser Bühne sind sie die reichsten drei Typen der Welt. Die Fans der Wahlberliner sind absolut textsicher, feiern und tanzen auf extravagantem Soundteppich hier im Musikzentrum.

Das Kleine Pothead-Imperium.
Musikmärkte sind gekommen, gegangen, digitalisiert, algorithmisiert worden.
Bands sind Trends geworden und wieder verschwunden. Pothead haben mit Janitor ihr eigenes Label, ihr eigenes kleines Festival und – so viel Wortspiel muss erlaubt sein – ein ganzes POTpourri an Alben.
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“Someday, Someday I’m hoping
I maybe will
Yes I’ll be satisfied,
I’ll be satisfied
with what’s happening”
Und Pothead? Pothead feiern in nicht allzu ferner Zukunft ihr vierzigstes Bühnenjubiläum. Potstock geht 2026 in die 27te Saison und Fans freuen sich schon jetzt auf ein neues Studioalbum.
Sie sind ihr eigener Melodic-Groove-Jungbrunnen. Egal wie dünn das Haar ist, egal wie alt die Lederkutten sind: solange der Bass dick nach vorne schiebt, leben Pothead ihren Traum.
“Oh and I really might work out
yes maybe how You know
a dream perhaps can come true”

(IH)
