Rock in Rautheim – Metal für alle

Rock in Rautheim – das heißt zwei Tage Festival, für den ein oder anderen die Eröffnung der Open-Air-Saison und vor allem: Rock und Metal für alle. Denn das RiR steht für Inklusion, für ein gesellschaftliches Miteinander und für Möglichkeiten, die es vielleicht nicht überall gibt.

Der Samstag

Rock in Rautheim 2025

Der Freitag startet grau, aber trocken. Noch befindet sich das Gelände ein wenig in der Ruhe vor dem Sturm. Die ehrenamtlichen Helfer stehen in den Startlöchern, die Bierzeltgarnituren sind aufgestellt, der Soundcheck erledigt, es kann also losgehen.

Terra Atlantica dürfen den Nachmittag eröffnen, während sich allerdings einige Besucher noch auf der Arbeit oder auf dem Weg befinden dürften. Das Quartett aus Hamburg entführt das Publikum in eine konzeptuelle Welt rund um die sagenumwobenen Erzählungen über die mythische Stadt Atlantis. Mit dem aktuellen Album „Oceans“ nimmt die Reise des Protagonisten, angesiedelt im 19. Jahrhundert, weitere Wendungen. Mythos, Gewand und Konzept sitzen, epische Balladen werden geschmettert und das Resümee kann nur ein gelungener Start ins Wochenende sein.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Mit Moonlight Haze steigt anschließend die Epik der dargebotenen Show noch einmal. Die Combo aus Italien hat eine Kostprobe der neuen EP mit dem Titel „Interstellar Madness“ im Gepäck, die am 22.05.2026 erscheint. Das Zusammenspiel aus hohem Gesang und kraftvoller Begleitung macht Lust auf mehr und heizt dem Publikum ein, was dann für die Grailknights schon top in Form ist.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Die Grailknights und die Suche nach dem heiligen Aal

Lässt man den Blick über das Infield schweifen, dann fällt sofort ins Auge: Viele Besucher „bewaffnet“ mit Laserschwertern und gehüllt in knallige Capes sind heute vor allem für eine Band da: die Grailknights. Tapfer und unerschrocken sind sie ihrem Widersacher Dr. Skull gefolgt, der anscheinend versuchte, den Heiligen Gral in Rautheim zu verstecken.
Doch unter Buh-Rufen der Fans, Pardon des Battlechoirs, ist jedes Versteck umsonst. Von „Cthulu“ über „Muscle Bound for Glory“ bis „Powerlift“ gibt es ein Feuerwerk durch die heldenhafte Hitgeschichte der Ritter wider die schlechten Werbungen. Zwar lässt sich Dr. Skull dazu herab, das allseits beliebte Laser-Katana zu bewerben, aber mit der Aussage, es sei „nur für Jungs“ hat er definitiv auf der Bühne nichts zu suchen, finden die Grailknights. Im epischen Kampf, der Dr. Skulls Schicksal wieder einmal besiegelt, lassen sich die Helden aus Hannover bejubeln. Nicht nur treue Fans wohnen dem Spektakel bei, sondern auch ein Plüsch-Aal, der triumphierend in die Luft gereckt wird.


Mit einem kurzen „Darf ich, Jungs?“ schwingt sich Opti dann in der Zugabe in die Menge – die Grailknights haben also nicht nur den Heiligen Gral zurückerobert, sondern auch den Heiligen Aal erlangt (der natürlich nach dem letzten Song seinen Weg zu seinem glücklichen Besitzer zurückschwimmt). Viel zu schnell ist die wirklich gelungene Show vorbei, ob der Kürze der Spielzeit wurde in den Reihen der Fans doch der ein oder andere Song vermisst.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Rock in Rautheim 2025

Anschließend lässt kann man während einer längeren Umbaupause der Blick über das Gelände schweifen lassen. Familiär und gemütlich ist es hier mit knapp 4000 Besuchern auf dem Platz. Wer auch nur entfernt aus der Region kommt, kann kaum ein paar Schritte gehen, ohne nicht allerhand Festivalbekanntschaften wiederzutreffen. Auf der Foodmeile und an der Candy-Bar herrscht derweil reger Betrieb und etliche Familien haben sich unter Pavillons auf Sitzgelegenheiten niedergelassen, während auf der Bühne umgebaut wird. Die Rolli-Bühne ist über- und durchdacht, man kommt gut von A nach B. Man merkt: Hier ist die Lebenshilfe Braunschweig bei der Vorbereitung top dabei.

Als Edge of Paradise dann mit einiger Verspätung die Bühne betreten, zieht es das Publikum nicht ganz so zahlreich vor die Bühne, wie noch kurz zu vor die Grailknights. Was eigentlich eine Show mit kraftvollen Vocals und cinematischen Effekten werden soll, kommt leider aufgrund technischer Soundprobleme kaum rüber. Obwohl Sängerin Margarita Monet und ihre fünf Bandkollegen auf der Bühne alles geben, springt der Funke nicht wirklich über.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Allgemein scheint man sich bei dieser Ausgabe des Rock in Rautheim vor allem auf Power Metal geeinigt zu haben. Da dürfen natürlich mit Riot V wirkliche Pioniere auf diesem Gebiet nicht fehlen. Mit Whiskey-Flasche und Gitarre läuten Riot V den Auftritt ein. Dabei gibt es vor allem lange Gitarrensoli zu hören, aber auch wenn der Sound sich seit Edge of Paradise wieder ein wenig eingependelt hat, kommt die Band etwas scheppernder rüber, als vermutlich beabsichtigt. So langsam lässt sich auch das Publikum in ein Set durch über 50 Jahre Bandgeschichte mitreißen.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Zum zweiten Mal an diesem Abend macht sich eine Band startklar, die Bühne in das tosende Meer zu verwandeln: Visions of Atlantis stehen für orchestrale Inszenierungen, detailreiche Outfits und vor allem für fast ausschließlich als Duett gesungene Stücke. „Clocks“ etwa appelliert daran, den Moment zu leben, während Songs wie „Legion of the Seas“ das Pathos der Seefahrer zum Thema haben. Egal, wovon die Band erzählt, die Choreografie zwischen Clémentine und Michele stimmt, die Stimmen harmonieren unglaublich gut, während die Show von etlichen Pyroeffekten untermalt wird. Die Fans gehen mit, es wird voll vor der Bühne, Visions of Atlantis ernten ordentlich Jubel und Applaus. Auch sie sind eine dieser Bands, die man sich vom Band durchaus anhören kann, die live aber einfach viel mehr abholen.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Als Headliner des Freitags stehen Orden Ogan auf dem Plan. Doch die Herren aus Nordrhein-Westfalen lassen auf sich warten. Die Fans, nun wirklich zahlreich versammelt werden allmählich ungeduldig.
Irgendwann geht es dann los mit „F.E.V.E.R“ und einem musikalischen Brett aus den beiden Gitarren. Das Publikum hat die Warterei vergessen und lässt sich schnell von der Band mitreißen. Zu „Moon Fire“ wird fleißig „Moon“ und „Fire“ im Duett gegrölt. Sänger Sebastian Levermann führt durch das Programm, spornt das Publikum immer mehr an. Sie hätten vor der Show nicht proben können erzählt er und ist sichtlich gerührt, dass trotzdem alle begeistert sind. Irgendwann werden Forderungen nach „Noch ein Bier!“ laut, auf die hin er augenzwinkernd feststellt: „Falsche Band!“

Da jetzt Bier und Fear bekannterweise sehr ähnlich klingen folgt „Order of Fear“, der titelgebende Song des letzten Albums von 2024.

Begleitet von Konfetti und Seifenblasen, die einen großartigen Kontrast zur schwarz gewandeten Band abgeben, feuern Orden Ogan ein Feuerwerk der eigenen Diskografie ab. Obwohl Sänger Sebastian Levmann zu seinem eigenen Missmut irgendwann schwindende Stimmgewalt feststellt, gibt es zum Abschluss noch „The Things We Believe In“ bevor sich das Quintett mit dem obligatorischen Gruppenfoto verabschiedet.

Klick aufs Logo für große Fotos!

Kurz vor Mitternacht macht sich dann die schwarz gekleidete Menge dann auf dem Weg zu Auto, Bahn oder Wohnmobil. Wir resümieren einen gelungenen Auftakt des Wochenendes. Trockenes Wetter, Bands, die Spaß machen und ein schönes Drumherum lassen die tontechnischen Eskapaden und die Verspätung einiger Bands vergessen.

Der Samstag

Rock in Rautheim 2025

(ND)