
Der Samstag startet wieder eher kühl aber trocken – also genau richtig, um den Campingstuhl herauszukramen und noch ein paar Minuten Sonne zu tanken, während auf der Bühne schon die ersten Soundchecks im Gange sind.

Pünktlich um 14:00 Uhr starten MH:LK Experience. Das Quartett, bestehend aus Sänger Leo und Schlagzeuger Michel die mit ihren Vätern, also der „Experience“ zusammenspielen, zeigt, dass hier Inklusion nicht nur vor und hinter, sondern auch auf der Bühne gelebt wird. Mit gerade Anfang 20 stellen die beiden Braunschweiger ein Cover-Programm auf die Beine, dass es in sich hat: Von Motörhead über AC/DC bis Megadeth sind allerhand Klassiker der Metalgeschichte vertreten, aber es gibt auch einige eigene Songs. MH:LK Experience glänzen mit humorvollen Ansagen und einem musikalischen Brett auf der Bühne. So kann man den Tag gut starten, und trotz des frühen Nachmittags ist das Infield schon gut gefüllt.
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Der Tag verspricht also, ebenso gut zu werden, wie gestern, wenn nicht sogar noch besser. Schließlich sind heute vor allem Fans in Feuerschwanz-Merch zugegen, die ja nicht gerade dafür bekannt sind, bei Konzerten stillzustehen. Beim nächsten Soundcheck für Stereo Start bindet Sängerin Magda besagtes Publikum gleich mit ein. Auch für diese Band ist heute Heimspiel, Magda findet mit ihrem Charisma schnell Zugang zu den Fans. Allerdings erinnern Stereo Start ein wenig sehr an den Pop-Rock der 2000er. Trotzdem: das wichtige, die Botschaft stimmt: „Schnappt euch eure Liebsten und feiert das Leben heute in Braunschweig“ ist ein Motto, mit dem sich jeder identifizieren kann.
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War gestern die Zeit der Superhelden, so ist es heute die der Dinosaurier: Eine wachsende Menge Kids auf den Schultern ihrer Eltern kündigt Victorious als nächsten Act des Nachmittags an. Die Leipziger, standesgemäß golden gerüstet singen von nicht nur von Dinos – sondern auch von Ninjas und Helden und überhaupt – also quasi die ganze Palette von allem, was man im Fantasy-Power-Metal cool finden kann. Das kommt an und auch das im April erschienene Album „World War Dinosaur“ wird samt titelgebendem Track komplett abgefeiert. Wer sich hier also nicht der „intergalaktischen Schlacht“ anschließt, darf dann also auch gerne von Dinos gefressen werden.
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Anschließend wird es mit Eleine wieder etwas düsterer und orchestraler. Das schwedische Trio legt eine starke Bühnenpräsenz hin, und dass obwohl die Vocals fast ein bisschen leise abgemischt sind. Die Fans stört das keineswegs, das Publikum klatscht begeistert mit. Auch ein Live-Debüt ist mit von der Partie: „Empire of Lies“, einen Tag zuvor als Single erschienen, setzt sich mit Falschheit und Lüge auseinander und erzählt von der Wichtigkeit der Wahrheit. Ebenso wie einige andere als Duett gesungene Stücke geht es genau dahin, wo es hingehört. Kraftvolle Baselines, zweistimmiger Gesang und passende Riffs machen Lust auf mehr, wenn Eleine nun im Dezember das Album zur Single veröffentlichen.
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Bei jetzt stärker hervorschauender Abendsonne und bestem Wetter stehen schließlich Firewind in den Startlöchern. Die eher weitere Anreise aus Griechenland hat sich definitiv gelohnt. Wer mit Vangelis‘ „Conquest of Paradise“ regelrecht auf die Bühne stolziert, muss dann auch liefern, und dass machen Firewind. Auch hier ist Mehrgenerationenprogramm angesagt, schon die jüngsten Besucher recken auf den Schultern sitzend fleißig die Pommesgabeln gen Himmel. Dafür bekommt man soliden Power Metal, die Drums krachen ordentlich und stehen regelrecht in Konkurrenz zu den restlichen Elementen. Mit nach einigen Wechseln deutschem Liedsänger darf dann auch etwas Humor nicht fehlen. Sänger Herbie Langhans nutzt die Gelegenheit bei einem Auftritt in Rautheim für ein beherztes: „Rautheim, haut rein!“ Das lässt sich keiner zweimal sagen, und während die Lufttemperatur allmählich sinkt, steigt die Temperatur vor und auf der Bühne.
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Ehe man sich versieht, ist es dann auch schon Zeit für die vorletzte Band. Dabei geht es feurig weiter mit den Burning Witches. Die vollständig in Leder gekleideten Ladys bringen Heavy Metal und Stimmung mit. Vor der Bühne ist es mittlerweile brechend voll. Im Gepäck haben die Burning Witches ihr aktuelles Album „Inquisition“ vom vergangenen Sommer. Begleitet von der trügerisch idyllischen Abendsonne kommen hier tagesaktuelle Themen wie Machtmissbrauch oder Fanatismus auf die Bühne. Untermalt von Sängerin Laura Guldemonds rauer Stimme fackeln die Burning Witches eine solide Heavy Metal Show ab. Gerade touren die Ladys durch Europa.
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Bevor es dann weitergeht mit der letzten Band, die Feuer im Namen trägt, ist es Zeit für große Worte auf der Bühne. Veranstalter Marco Spiller holt sein Team auf die Bühne und hält kurz inne ob der strahlenden Gesichter vor und auf der Bühne, wie er selbst feststellt. Er bedankt sich bei den 552 Helfern rund um Auf- und Abbau, Catering, Sicherheit und Medien, die alle ehrenamtlich tätig sind. Das Rock in Rautheim sei ein Ort für „Liebe, Miteinander und Respekt“, an dem Inklusion nicht nur ein Begriff sei, sondern tatsächlich gelebt werde.
Für seine Ansprache erhält er tosenden Applaus von den Festivalbesuchern, und kaum einer wird leugnen, dass dies einer der Gänsehaut-Momente des Wochenendes ist.

Während der ein oder andere noch verwundert ist, wie schnell die zwei Festivaltage sich schon dem Ende neigen, machen sich Feuerschwanz bereit, das Publikum in Ekstase zu versetzen.
Es ist mittlerweile eigentlich unwichtig, wie oft man Feuerschwanz gesehen hat, aber so oder so stellt man fest, dass es egal ist, ob die Combo um den Hauptmann und Hodi vor 30.000 oder 3.000 Fans spielt: Das Set verspricht jedes Mal ein Feuerwerk aus Party und ernsteren Songs zu werden. Das erste Mal richtig Gänsehaut gibt es schon früh im Set, bei „Memento Mori“, der Ansage daran, das Leben im Jetzt zu leben und jeden Moment zu genießen.
Auf die Frage: „Ist der Knightclub hier?“, folgt die einzig richtige Antwort. Das Publikum ist absolut begeistert und kennt jede Zeile auswendig. Auch lehrreich in Themen wie nordischer Mythologie wird es mit „Bastard von Asgard“ oder im Bereich, was Zwerge so tun mit „Kampfzwerg“. „Sam the Brave“ hat sich seit der Veröffentlichung im letzten Sommer zu einem Muss bei Live-Shows entwickelt.

Feuerschwanz haben es geschafft, gleichzeitig eine ernstzunehmende Mittelalter-Band zu sein, die aber mit der Zeit immer mehr Party-Songs authentisch rüberbringen kann, ohne dabei die Wirkung von etwa „Memento Mori“ oder „Das elfte Gebot“ zu verlieren. Sie werden mit ihrem Humor und immerwährenden Gerangel zwischen dem Hauptmann und Hodi nie langweilig.
Nach einem guten Set wird es viel zu schnell Zeit, dass die ersten Töne des obligatorischen „Das elfte Gebot“ anklingen, dass jedes Konzert beschließt.
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Ein letztes Mal kriecht die Gänsehaut den Rücken hoch, ein letztes Mal für diese Ausgabe des Rock in Rautheim werden die Hände gen Himmel gereckt, um einer Band zuzujubeln.

Beschwingt und glücklich machen sich nur wenige Minuten später die Fans auf den Heimweg. Es ist wieder kalt geworden in Rautheim, aber die Gemeinschaft aus Fans, Bands und Helfern hat sich selbst gewärmt. Wir verabschieden uns, bis sich dann im nächsten Jahr eine Wiese in Rautheimer Randlage in das größte Inklusionsfestival verwandelt.
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(ND)
