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Sobald die ersten richtig heißen Sommertage ins Land ziehen, bricht das Festivalfieber aus. Umso schöner, dass wir in unserem Land eine fast schon an Dekadenz grenzende hohe Festivaldichte haben. Eines der beliebtesten Metalfestivals ist ohne Zweifel das Rockharz Open Air in Ballenstedt. Und auch in diesem Jahr zieht es wieder zahlreiche Metalfans auf das Flugplatzgelände.

Ob die Anreise am Montag, Dienstag oder Mittwoch passiert, es klappt alles wie am Schnürchen. Schnell und unkompliziert – die kurze Zeit, die man im Stopp & Go vor dem Zeltplatz verbringt, ist kaum erwähnenswert. Das im letzten Jahr eingeführte Konzept zur Entzerrung des Anreiseverkehrs wurde ausgebaut, hat sich bewährt und funktioniert.
Camper Anreise und Stimmungen
Mittwoch – Nach dem Regen kommen die Bands
Als leidenschaftlicher Festivalbesucher checkt man natürlich fleißig die Wetter-Apps vorab. Die Prognosen waren gefühlt stündlich anders und extrem launisch. Doch Ballenstedt enttäuscht nicht. Am Mittwochmittag beglückt eine kurze Starkregen Gewitterfront die Besucher. Doch das Festival hat noch nicht begonnen und wer ein wenig die Augen aufgehalten hat, kann sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Allerdings gibt es einige Wanderwütige, die auf der Teufelsmauer überrascht und durchtränkt werden.
Das Gelände hat sich durch den Regen in eine kleine Matschlandschaft verwandelt – aber wer das letztjährige Wacken überstanden hat, kann hier nur milde darüber lächeln. Zudem trocknet auf dem gut belüfteten Gelände alles schnell weg.

Es ist 15:30 Uhr und die Bändchen Schlange immens lang. Wer sein Band schon hat, kann sich glücklich schätzen und schafft es pünktlich zu Heavysaurus, die das Festival auf der Dark Stage eröffnen. Klein und groß finden sich vor der Bühne ein und auch eine Gruppe Aufblasosaurier gesellen sich dazu. Man kann von Heavysaurus halten, was man will, aber in solchen Kostümen auf der Bühne zu stehen und auch noch guten Sound abliefern, hat schon etwas Anerkennung verdient. Zudem machen sie der nächsten Generation Metalheads den Einstieg leichter. Mit Motivationsphrasen wie „Mädchen können genauso gut abrocken wie Jungs“ oder einer Live-Lehrstunde „Wie mache ich eine Pommesgabel“ wird gelacht, gefeiert und mitgemacht. Man kann regelrecht fühlen, wie die Fans den Start des Rockharz erwartet haben.
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Das Infield bleibt auch zu den folgenden Soulbound gut gefüllt. Bei Sonnenschein geht die Party weiter. Allerdings ist der Sound so leise eingestellt, dass man gar keine Ohrstöpsel benötigt. Doch das Publikum feiert einfach umso lauter. Soulbound, die sich unter anderem für mehr Akzeptanz und Toleranz für psychische Erkrankungen starkmachen, treffen mit ihrem harten Metalriffs, gepaart mit elektronischen Nuancen, genau ins Schwarze. Bereits 2023 beehrte die Band das ROCKHARZ, wie Sänger Johnny strahlend erzählt. Damals noch mit einem briefmarkengroßen Banner im Hintergrund – dieses Mal kann sich das Backdrop auch bis in die letzten Reihen sehen lassen. Offensichtlich froh und dankbar wieder hier sein zu können, liefert die Band ein 45-minütiges Set, bei dem Hits wie „Insane“ oder „Fuck You“ nicht fehlen dürfen.
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Quasi pünktlich zum Abendessen stehen Ensiferum auf der Dark Stage. Im herrlichsten Abendsonnenschein geben sich die Finnen mit ihrem Folk und Viking Metal alle Mühe, die Fans in Ekstase zu versetzen, das klappt trotz etwas unter dem Wind leidendem Sound gut. Der Fokus liegt auf den jüngeren Alben, aber auch einige Klassiker dürfen in der Setlist nicht fehlen. Egal ob „Fatherland“ oder „Lai Lai Hei“, die Fans feiern ausgelassen.
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Nach Ensiferum geht es weiter mit düsteren Klängen von Paradise Lost. Eigentlich ist es viel zu früh und zu sonnig für die melancholischen Songs. Etwas Dunkelheit würde mehr Stimmung liefern, doch vom ersten Song „Serpent On The Cross“ an ist die Spielfreude der Band ungetrübt – natürlich in Paradise Lost Manier, mehr ernst und besonnen, doch mit viel Leidenschaft. Lediglich Gitarrist Aaron Eady grinst oft und auffällig bis über beide Ohren. Auch wenn hier erneut die Toneinstellungen zu wünschen übrig lassen, gibt es ordentlich Zuspruch des Publikums bei „The Last Time“, „Tyranns Serenade“ und einer Coverversionen von „Smalltown Boy“ der 80ies Combo Bronski Beat.
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Packt die Kürbisse aus, jetzt ist es Zeit für Helloween! Die ersten gigantischen Headliner des Festivaltages nehmen die Zuschauer mit auf eine 2-stündige Fahrt durch die nun stolze 40 Jahre zählende Bandgeschichte. Dieser Auftritt beantwortet die Frage, weshalb sie seit all der Zeit eine der größten Power Metal Bands waren und sind. Sound, riesige LED Leinwand, Feuerwerk, Stimme und Stimmung auf und vor der Bühne – alles ist on Point. Allerdings ziehen ziemlich lange Ansagen und ausufernde Soli das Ganze etwas in die Länge. Doch die Zuschauer genießen jede Sekunde und singen lautstark bei Songs wie „Future World“ und „Eagle Fly Free“ mit. Helloween liefern professionell und als eingespieltes Team einen Gänsehautmoment nach dem anderen. Routiniert aber ohne langweilig zu werden, oder selbst gelangweilt zu wirken.
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So neigt sich der erste Tag mit einem Feuerwerk dem Ende zu und wer noch nicht genug hat, kann sich noch bei Steve ‘N‘ Seagulls austoben – und es gibt noch eine Vielzahl, die dieses Angebot in Anspruch nehmen. Hinterher hört man doch etliche Stimmen, denen nicht ganz klassische County-Cover bekannter Bands durchaus zusagen.
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(MS & BD)
Weitere Bands:
Harakiri for the Sky
The Haunted
Black Label Society
