
Hier geht es zum Mittwoch – Freitag – Samstag

Auch am Donnerstag ist eincremen angesagt. Früh geht es los mit viel Sonne aber auch etwas Wind, damit es nicht zu sehr brutzelt. Die Temperaturen sind angenehm und so kann’s früh um 11:50 Uhr auf der Dark Stage mit Final Cry zum Frühschoppen gehen. Und da geht es auch schon rund, denn die Band aus Niedersachen kennt keinen sanften Start. Nach dem noch recht entspannten Intro „Brotherhood of the Rope“ legen sie gnadenlos an Tempo zu mit „Dominion of Delay“. So gehört sich das auch, immerhin liefern sie bereits seit 1989 Speed & Trash Metal mit einer ordentlichen Prise Black & Death – und genau diese Energie braucht es am Morgen, damit die Menge sofort angesteckt und hellwach wird. Und es funktioniert: Der erste Circle Pit ist eröffnet.
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Nach diesem Frühsport werden bei Die Habenichtse die Bierbecher, Humpen und Hörner für eine Erfrischung erhoben. Mit Songs wie „Räudig, laut und unbequem“, „Freiheitstanz“ und „Spelunkenvagabunden“ gibt es viel Stoff zum Anstoßen, Schunkeln und um ausgelassen zu tanzen. Mittelalterlich und piratesk angehauchte Bands ziehen beim ROCKHARZ immer stark und auch diesmal enttäuscht die Band das Publikum nicht – und ebenso umgekehrt. Die Kehlen werden geölt und die Kehlen brauchen es, denn sie krakeelen fleißig.
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Fans dieser Musik können danach bei Mittel Alta direkt weitermachen. Denn so aufgewärmt von den Habenichtsen befindet sich das Publikum schon in der richtigen Stimmung für diese Band. Kaum ein Duo, oder live eher viele Leute auf der Bühne, hat sich in den letzten zwei, drei Jahren von ein paar Songs auf Spotify zu größeren Festivals gespielt. Und das nicht etwa mit klassischem Mittelalter-Folk-Metal, sondern mit einem eloquent pöbelnden Fäkalhumor, der sich sehen lassen kann. Stilistisch können und wollen sich Mittel Alta gar nicht festlegen, wie etwa im Song „Kein Metal“ textlich und musikalisch treffend porträtiert. Auch um die allgemeine Arbeitsmoral scheint es insgesamt nicht zu hoch zu stehen, gehen „Gelber Schein“ und „Der Chef ist tot“ regelrecht durch die Decke. Gut, dass morgen erst Freitag ist. Insbesondere gemessen daran, dass es erst 13:00 Uhr ist, ist das Infield brechend voll. Gemeinsam mit den treuen „Recken“ – dem Publikum – wird getanzt, gesprungen, gegrölt. Mittel Alta überzeugen absolut.
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Doch manch ein Ohr ist froh mit den Japanerinnen von Hagane wieder etwas ernstere Gefilde zu betreten. Mit einem äußerst erfrischenden Sound aus Kawaii- und Power-Metal sind sie hin- und mitreißend. Besonders entzückend sind auch die Bilder, die auf der Instagram – Page der Band geteilt werden – offensichtlich sind sie sehr erfreut über ihr Deutschland-Debüt in diesem Jahr. Da haben sie sich auch genau das richtige Festival ausgesucht, denn das Publikum ist sehr aufnahmefreudig und dankbar.
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Und danach bringen Stahlmann wieder einen neuen Twist in das Line-up. Mit roten Pyro-Fackeln erklimmen sie die Bühne. „Ohne heiligen Schein“ brettert in bester Neue-Deutsche-Härte Manier los. Der rote Rauch wechselt in blaue Rauchsäulen und Feuerfontänen. Obwohl die Songs auf Deutsch gehalten sind, begrüßt Sänger Martin das Publikum mit den Worten „Ladies and Gentlemen…“. Wer das Shoutout gesehen hat weiß, dass dies für ihn wohl üblich ist. Der Bass ist etwas zu stark eingestellt und „Adrenalin“ prescht so stark von der Bühne, dass der ganze Körper vibriert. Die Leute sind zahlreich am Start und recken artig die Pommesgabeln in die Höhe. Stahlmann hauen einen Hit nach dem anderen raus, der die Leute zum stampfenden Mitmachen bewegt. Zu harten gitarrenlastigen Songs wie „Der Schmied“ oder mehr in die elektronische Richtung zu „Süchtig“ wird gerockt und getanzt.
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Über die bald darauf folgenden Dogma kursieren sehr unterschiedliche Meinungen. Aber genau das regt die Neugier an und auch wenn es auf Platte nun nicht umgehauen hat, überzeugten die vorab gewonnenen Eindrücke auf Social Media. Die Menge ist zahlreich vor der Bühne erschienen. Allerdings übertönt der Bass erst einmal alles, sodass man den ersten Song „Forbidden Zone“ erst nach einer Weile erkennt. Bei dieser Vibration geht die Musik unter und die theatralische Bühnenaction der als Nonnen gekleideten Dogma kann dieses Manko leider kaum ausgleichen. Die meisten Zuschauer jedoch können die Augen kaum von den Damen lassen. Man kann noch „Fate Unblinds“ und eine Coverversion von Madonnas „Like A Prayer“ erkennen. Doch da Optik nun mal nicht alles ist, bleibt die Frage nach dem musikalischen Live-Können – zumindest für uns – offen.
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Und erneut bietet das Line-up eine gelungene Abwechslung. Wild geht es zu bei Agnostic Front. Mit ihrem New York Hardcore bringen sie den Pit zum Beben. Zu „Gotta Go“ wird einstimmig mitgegrölt.
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Relativ kurzfristig musste die deutsche Zombie-Power-Metal-Band Dominum ihren Slot mit Hämatom tauschen. Statt als letzte Band des Tages spielen sie nun bereits 20:35 Uhr auf der Rock Stage und starten mit „Danger Danger“ durch. Die Band, die seit einiger Zeit gefühlt von 0 auf 100 gerast sind, nutzen den Auftritt für den Release des neuen Albums „The Night Ist Calling“ und bringen sogar den größten Circle Pit des Tages zustande. Ja, auch Power Metal ist ein äußerst beliebtes Genre beim ROCKHARZ-Publikum und somit erreicht die Stimmung ihren ersten verschwitzten Höhepunkt. Bereits tagsüber wurde man auf dem Infield von Mädels mit Bollerwagen angesprochen, die das neue Album promoten und verkaufen wollten – fast wie ein zombiesker Junggesellinnen-Abschied. In den 50 Minuten auf der Bühne schmettern Dominum neben dem Live-Debüt von „Doctor Doctor“ auch Hits von „Frankenstein“ bis hin zu einer Coverversion von Michael Jacksons „Thriller“. 80ies Coverversionen scheinen dieses Jahr angesagt zu sein beim ROCKHARZ.
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Der Abend schreitet mit Avatar voran und um 21:40 Uhr steht die Band mit Cape und Laterne auf die Dark Stage. Der Song „Captain Goat“ eröffnet das Set. Nach diesem relativ ruhigen Song für die Band fliegt das Cape weg und Sänger Johannes Eckerström zeigt sein typisches Face-Paint sowie eine knackige Latex-Hose. Nun folgt die volle Action zu „Let It Burn“ und „The Eagle Has Landed“. Die Haare auf der Bühne fliegen und auch der Mikrofonständer wird von Johannes‘ Po provokativ weg-gewerkt. Die Band beehrt das Festival zum ersten Mal und was soll man sagen? Schwedische Bands sind immer ein Garant für eine gute Live-Performance. Da stellen Avatar keine Ausnahme dar. Besonders Frontmann Johannes zieht die Aufmerksamkeit auf sich mit seiner extrovertierten Bühnenshow. Zudem spricht er auch sehr gut Deutsch. Wie bereits im Shoutout vorab angekündigt, hat er heute Geburtstag und strahlt „Ich fühle mich gut gefeiert“. 1a Metal, teilweise mit Zirkus-Touch und großem Unterhaltungsfaktor. So folgen unter anderem „Death And Glitz“ und „Smells Like A Freakshow“ bevor der letzte Song „Hail The Apokalypse“ erklingt. Zum Ausklang schallt Zirkusmusik aus den Boxen und Johannes bedankt sich noch einmal freudig mit den Worten „Danke, dass ihr meinen Geburtstag gefeiert habt“.
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Der wahre Meister der Unterhaltung und König des Schock-Rock ist als nächstes an der Reihe: Kein geringerer als Alice Cooper tritt ins Rampenlicht.
Alice macht was er will und er macht alles richtig. Er liefert eine Mischung aus 90% alten Knaller-Hits wie „Spark In The Dark“ oder „House On Fire“ und 10% neuen Songs. Alice ist einfach der Beste, spätestens nach Waynes World wussten wir, dass wir alle unwürdig sind. Mit 77 Jahren beweist er, dass er schon längst eine Legende ist. In Höchstform mit neuen und nostalgischen alten Bühnenaccessoires reißt er seine gesangliche und theatralische Show ab. Er hat natürlich auch noch die gute alte Zwangsjacke und Puppen am Start und genau dafür lieben wir ihn. Seine Tochter Calico ist sogar dabei und tanzt nach der obligatorischen Enthauptung mit seinem Kopf. Bereits vergangenes Jahr durften wir sie zusammen mit Coopers Bassisten Chuck Garric auf ihrer Tour mit Beasto Blanco live bewundern. Auch dieser ist mit auf der Bühne, allerdings konnte Nita Strauss diesmal nicht mit von der Partie sein. Ihre Position übernimmt diesmal die britische Musikerin Anna Cara, die auch einen grandiosen Job hinlegt. Jede/r dieser Musiker wird von Alice Cooper persönlich gewürdigt, indem alle ihr eigenes Solo erhalten und von Alice vorgestellt werden. Ein wahrer Gentleman.
Zum Gassenhauer „Schools Out“ wechselt Alice sein sonst so düsteres Outfit in einen weißen Frack und schwingt den Gehstock. Der Song entpuppt sich als Medley und switcht um in eine Coverversionen von Pink Floyds „Another Brick In The Wall“. Mit dem finalen Song überrascht er wohl alle. Mit den Worten „This one’s for Kurt“ erklingt Alice Coopers Coverversion von „Smells Like Teen Spirit“. Damit hätte wohl niemand gerechnet und so manch einer bekommt sicher Pipi in die Augen, dass auch mal einer Grunge-Ikone bei einem Metal-Festival posthum Tribut gezollt wird. Denn ich bin mir sicher, die meisten Anwesenden hatten in ihrer Jugend auch mal die Grunge-Phase und Nirvana verehrt.
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Nach diesem Spektakel könnte eigentlich Schluss sein für den Tag, doch es folgen ja noch Hämatom, die mit Dominum getauscht haben. Aber auch wir haben getauscht: Bett gegen Hämatom. Auch wenn die eingefleischten Fans im Vorfeld nicht ganz glücklich über den Tausch waren, so ist vor der Bühne noch einiges los. Hämatom gehören nicht auf einen After-Headliner-Slot.
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(MS & BD)
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