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Der letzte Tag bricht an. Jedes Jahr aufs Neue ist es faszinierend, wie schnell die Zeit vergeht, doch das ist für ROCKHARZ Fans kein Grund, sich schon mit Abschiedsgedanken herumzuschlagen.

Um 11:20 Uhr zu Pinhead an der Rock-Stage zu stehen, ist schon sportlich, doch ist der Sound gut. Leider muss sich diesmal Sänger Ilja John Lappin stimmlich in den Griff bekommen. Da gibt es einige Schwankungen. Die Klatschmotivation in der Menge ist bereits vorhanden und das Infield füllt sich zusehends. Als Ilja bei „Beauty In Pain“ zur Gitarre greift, hat er hat sich auch gesangstechnisch gefangen. Der Multiinstrumentalist wechselt zwischendurch zum Cello. Live scheint die Musik etwas gewaltiger und metallastiger zu sein, als von Platte. Die Komplexität des Soundkonstrukts gerät dadurch in den Hintergrund, doch für das Festival ist der (noch) härtere Sound passend. Mit „Lament Box“ verabschieden sich Pinhead – ein gelungenes Debüt beim ROCKHARZ.

Auf dem gesamten ROCKHARZ gilt ein striktes privates Drohnenflugverbot, doch für Drone auf der Dark-Stage gilt das zum Glück nicht. Zum Einstieg eröffnet „A Gringo Like Me“ von Ennio Morricone den Auftritt, bevor Sänger Mutz das Publikum mit den Worten „Wir sind Drone und jetzt wird gefi…!“ begrüßt. Mit großem Gedröhne, sodass der gesamte Körper vibriert, startet die Band. Hier ist der Bass wirklich viel zu viel und bevor durch heftigen Bass verursachte Übelkeit aufkommt ziehen wir ab zum Käsedönerstand für den Mutz zuvor ordentlich Werbung gemacht hat – wir Werbeopfer!
Wer allerdings weder hungrig noch anfällig für Übelkeit ist, wird Zeuge, wie nach 30 Sekunden (!) überzogener Spielzeit nach einem Hinweis eines Bühnenmitarbeiters zwei charmante Grabenschlampen Mutz von der Bühne entfernen. Wer neben seiner Bandtätigkeit auch Bühnenchef ist, hat genau solchen Humor. Der kleine Scherz wirkte so echt, dass sich im Anschluss der ein oder andere Besucher tatsächlich erkundigte, wie es dazu kommen konnte…
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Es folgen die Youngsters von Tailgunner auf der Rock-Stage. Wir gehen dann mal kurz die gute Soundeinstellung suchen. Man hört nur wieder Donnergrollen. Besonders das windige Wetter scheint die Tontechniker vor Herausforderungen zu stellen. Wenn die Stimme von Sänger Craig Cairns dann doch durch diese Wand dringt, erkennt man sein großes Talent. Zu „Shadows Of War“ wird die Abmischung besser und die Stimme ist besser zu hören. Die junge Band aus Großbritannien zeigt großes Können, ob musikalisch oder hinsichtlich Bühnenpräsenz. Wer hat eigentlich behauptet, es gäbe keinen Nachwuchs im Metal? Diese jungen Musiker sind eine der großen Hoffnungen für die Szene. Live um einiges besser als aus der Dose spielen Tailgunner eine gute Mischung aus ihren bislang einzigen beiden Alben „Guns For Hire“ und „Midnight Blitz“. Headbangen erlaubt und gern gesehen. Zum Ende ertönt hinter uns eine leise Stimme aus dem Publikum „Aber… dürfen die überhaupt schon Alkohol?“. Egal, von dieser Band werden wir sicher noch einiges hören.
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Nachdem Tungsten das ROCKHARZ Publikum mit dem beliebten Joker-Power-Metal-Jodler beglückten, rollt ein Gewitter der brasilianischen Art auf die Dark-Stage.
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ROCKHARZ kann Hochzeit.

Auch 2026 hat das Standesamt Ballenstedt 8 Trauungen auf dem Festivalvorplatz durchführen können. Unter dem Motto „DAS HÄRTESTE STANDESAMT DEUTSCHLANDS“ kann sich das Team des Standesamtes kaum vor Anfragen retten. Für die Paare geht es nach der Trauung in den in die Menge oder in den Bühnengraben, um unvergessliche Erinnerungsfotos geschossen zu bekommen.

Besonders wäre die letzte Trauung des ROCKHARZ 2026 zu erwähnen, dieses Paar hat sich die Eheringe als Tattoo stechen lassen. Sicher sind die knappen Termine auch 2027 schnell vergriffen. Also schon jetzt an diese außergewöhnliche Möglichkeit denken.
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Zum Intro „The Aftermath“ des Albums „Shades Of Sorrow“ erklimmen Crypta die Bühne. Nach erneutem anfänglichen Soundmatsch gelingt es den Technikern, die Einstellungen zu bändigen. Sängerin und Bassisten Fernanda Lira post und growlt in Bestform. Ihre exzentrische Mimik wirkt zwischendurch wie ein wildes Tier. Die Haare fliegen auf der Bühne und das Publikum macht mit. Crypta enttäuschen einfach nie. Das Publikum hört gar nicht auf zu klatschen.
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Es scheint Wild West Mottotag zu sein. Denn nachdem Drone am Morgen mit einem Westernsong erschienen waren, tun es ihnen Danko Jones gleich und entern die Bühne zu einem Wild West Film inspirierten Intro. Die kanadische Band legt sofort mit „Guess who‘s back“ los. Der Sound ist nun top eingestellt. Von der ersten Sekunde an haben sie das Publikum in ihrer Gewalt. Frontmann Danko Jones, der Namensgeber der Band, ist bei bester Laune und grinst breit. Ich hatte vorab gedacht, die Band sei vielleicht zu wenig Metal für das ROCKHARZ, doch was sie hier abfackeln, ist ganz großes Kino. Die bombastische Soundkulisse und die gut gelaunten Musiker reißen die zahlreich erschienene Menge mit. Zum dritten Song „I’m In A Band“ provoziert er die Fotografen im Fotograben, sie sollen ihre Kameras zücken „…I am giving you million dollar poses“. Songs wie „Do you wanna get high?“, „Had Enough“ oder der Allzeit-Hit „First Date“ bringen die Menge zum Kochen. Danko zollt dem Publikum seinen Respekt, dass sie am letzten Festivaltag dem Regen trotzen. Welcher Regen? Das war doch nichts. Danko Jones beweisen, dass sie sehr wohl zum ROCKHARZ gehören und eine sehr willkommene Abwechslung sind, von der ich nicht wusste, dass ich sie brauche.
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Weiter gehts mit guter Laune und Doro auf der Dark-Stage. Punkt 19:35 Uhr startet sie mit dem Warlock Song „Earthshaker Rock“. Diese sympathische Frau zeigt allen, die noch zweifeln, dass sie wahrlich die einzige wahre Metalqueen ist. Totenschädel und Rosen zieren ihren Mikrofonständer. Stimmlich in Höchstform nimmt uns Doro mit durch ihre jahrzehntelange Karriere. Weitere Warlock Klassiker wie „Burning Witches“ lassen mitsingen und Fäuste in die Luft recken, während die Ballade „Für Immer“ zum Schunkeln ermuntert.
Doro ist stets gut gelaunt, so auch heute und für die Bühne geboren. Sie ist mit ganzer Seele dabei und auch das Publikum singt inbrünstig mit.
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Das Unheil kommt auf leisen Sohlen. So drohen Knorkator ihren Auftritt an. Für den ersten Song verhält sich Sänger Stumpen auffällig und fast schon beunruhigend ruhig. Doch schon zum zweiten Stück „Buchstabe“ fängt er an zu hopsen und auf der Bühne umher zu tigern. Wenn Stumpen die Furzgeräusche des Songs ins Mikro – ja was macht damit eigentlich? Singen? Züngeln? Furzen? – Na, wenn er die Furzgeräusche jedenfalls ins Mikro tut, gibt es kein Halten mehr – es bleibt kein Auge trocken vor Lachen. Die Meute vor der Bühne ist von der ersten Sekunde an voll dabei. Gemäß einer alten Tradition müssen alsbald alle Fotografen auf der Bühne antreten. Zahlreich sind sie erschienen und knipsen eifrig, bis sie bei „Es Kotzt Mich An!“ mit Poolnudeln verdroschen werden. Wahrscheinlich haben sie es verdient 🙂 . Diese absolute Beklopptheit und der Wahnsinn auf der Bühne, kombiniert mit irren, aber niemals dummen Texten, ist Dynamit. Wie verrückt werden die Texte von fast allen Anwesenden mitgesungen. Wie man Klamauk mit richtig guter Metal Musik kombiniert wissen Knorkator. Zum 10. Mal sind Knorkator beim ROCKHARZ dabei und Stumpen ehrt zu diesem Jubiläum auch seine Frau on Stage. Schon etwas rührend, wie dieser Gummimensch auf Duracell vor dem gesamten Publikum bekräftigt, dass er sie wirklich liebt.
Und zum 10. Jubiläum bittet die Band Dani vom ROCKHARZ auf die Bühne. Jetzt wird angestoßen. Auf einem Bein kannst nicht stehen, dachte sich Buddy und eilt hinzu. Prost.

Es ist mal wieder ein Familientreffen der Knorkators – Stumpens Tochter Nethi liefert klare und starke Backing Vocals aber auch ganze Songs und auch der Sohn von Alf – Tim Tom – singt bei „Böse“ mit und zeigt, dass er richtig gut growlen kann.

Um dem Wahnsinn noch einen Hut aufzusetzen wird bei „Unkraut“ Fang den Hut auf der Bühne gespielt. Sie leben einfach das beste Leben, und das auf der Bühne, und verdienen auch noch Geld dabei. Eine total verrückte Party. Darf ich sie mit Helge Schneider vergleichen? Ich denke, es ist ein Kompliment. Großartige Musiker, die großes Talent besitzen, es verwursten und mit so viel Verstand und Humor in Songs packen. „Zähne putzen, pullern und ab ins Bett“ ist wie gemacht für den Ausklang einer Show. Doch ins Bett geht es noch lange nicht.
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Das ROCKHARZ bietet jedes Jahr eine Überraschung mit mindestens einer sagenhaften Black-Metal-Band zu später Stunde. Dieses Jahr bringen sie Emperor auf die Dark-Stage. Die Norweger halten sich nicht mit langem Geschnacke auf und liefern, beginnend mit „Into The Infinity Of Thoughts“, ein einstündiges düsteres Set vom Feinsten. Der Sound bläst das Publikum fast um, ist aber für dieses Genre astrein eingestellt. Die Band hat die Düsternis und Mystik der norwegischen Wälder mitgebracht und lässt sie über dem ROCKHARZ frei. Die schwarze Magie des Black Wizards zieht bei dem Song „I Am The Black Wizards“ die Zuschauer in den Bann und zu „Inno A Satana“ wird die Nacht zelebriert. Emperor sind das Gewitter, das wettertechnisch an diesem Tag ausblieb.
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Anschließend wird es, wie immer vor dem letzten Headliner, Zeit, danke zu sagen. Buddy und Dani, das Duo, das seit über 30 Jahren hinter dem ROCKHARZ steht, treten auf die Rock-Stage und bedanken sich beim Team, das sowohl im ganzen Jahr das Festival plant, als auch bei allen, die saisonal vor, während und nach dem ROCKHARZ beschäftigt sind. Insbesondere bei der Crew, die auch zahlreich auf der Bühne vertreten ist, zieht sich ein erschöpftes, aber glückliches Grinsen über die Gesichter.

2026 markiert auch 30 Jahre Zusammenarbeit mit Metal.de, und ein Foto mit allerhand Unterschriften aus dem Team wird überreicht. Die Besucher johlen und applaudieren, denn ohne die vielen Hände neben, hinter, vor und auf der Bühne wäre kein ROCKHARZ in der Art möglich. Nach der wie immer emotionalen Danksagung von Buddy, in der auch eben jene Fans und Besucher nicht fehlen dürfen, geht es dann weiter mit Feuerschwanz.

Auch sie sind vom ROCKHARZ nicht mehr wegzudenken. Seit 18 Jahren kommen Feuerschwanz immer wieder zum ROCKHARZ und jetzt, Samstagabend im Headliner-Slot, zeigt sich einmal mehr die Entwicklung, die die Band in den letzten Jahren genommen hat. Dass die Setlist immer mehr oder weniger ähnlich ist, stört im Publikum niemanden. Wie gewohnt geht es los mit „Drunken Dragon“ und schon bei den ersten Klängen ist das Publikum in Ekstase. Wie schon im Barock gilt hier: „Memento Mori“, sei dir deiner Vergänglichkeit bewusst. Konkret im gleichnamigen Song heißt das: reißt die Hütte ab, lebt im Jetzt und feiert den letzten Abend bei diesem ROCKHARZ. Obwohl sich gerade in den hinteren Reihen im Publikum auch größere Lücken finden, lassen sich das die Fans nicht zweimal sagen. Es wird getanzt und in allerhand Pits gesprungen, und sobald man der Bühne näherkommt, fragt man sich, warum man eigentlich eine Jacke dabeihat, so warm ist es.
Doch Feuerschwanz können nicht nur Party, sondern auch ernsthafte Momente. „Name der Rose“ bringt Balladenstimmung, überall werden die Handytaschenlampen gezückt. Sicherlich ist es nicht dasselbe wie mit Feuerzeugen, aber trotzdem jedes Mal aufs Neue ein Gänsehautmoment. Auch die Band lässt sich das sichtlich anmerken.

Dann geht es wieder weiter, die Gitarren sind laut, die Fans am Tanzen und die Nacht ist lang. „Sam the Brave“ oder „Kampfzwerg“ werden voller Elan mitgesungen und mitgesprungen. Zu „Valhalla“ kommt wie in der Albumversion Doro mit auf die Bühne, und das Duett sorgt wahrlich für Gänsehaut.
Standesgemäß endet das Konzert mit „Das Elfte Gebot“ und entlässt die Fans ebenso glücklich, wie auch leicht nachdenklich in die Nacht. Die meisten machen sich hier schon auf den Weg ins Camp oder direkt nach Hause, aber viele bleiben auch noch für Soen, die letzte Band dieses ROCKHARZ.
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Die Schweden von Soen dürfen das Festival ausklingen lassen. Melancholisch und facettenreich, rockig und schwer – perfekt, um nach der Feierei ein wenig herunterzukommen. Die Stimmung wird spürbar andächtig und viele sind sich gewahr, dass das Festival nun wirklich bald zu Ende ist.
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Auf dem Rückweg zum Zeltplatz klaffen viele große Lücken auf dem Campground. Anscheinend sind einige bereits im Laufe des Tages gefahren und auch die Partystimmung ist nur noch stellenweise groß. Doch keine Bange, es wird ein nächstes Mal geben!
Das ROCKHARZ 2026 bewies einmal mehr, warum es so beliebt ist und so viele Stammgäste hat. Ein äußerst abwechslungsreiches Line-up, eine wundervolle Stimmung und ein friedliches gemeinsames Feiern. Jedes Jahr kommt man gern her und geht ungern wieder. Es ist besonders, familiär und intensiv. Der überwiegende Großteil der Besucher sind Wiederholungstäter – ob seit 5, 10 oder 20 Jahren, wie Arme und Kutten voller Bändchen zeigen. Hier findet sich, trotz 25.000 Leuten auf dem Platz, immer wieder dieses Zuhause-Gefühl, was so typisch für das ROCKHARZ ist.
Das gilt natürlich auch für uns, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder – das Line-up ist bereits jetzt vielversprechend und der Ausverkauf nach nur 4 Tagen spricht für sich.
Wir freuen uns auf dieselbe Herzlichkeit, dieselben bekannten Gesichter und dieselbe Freude an der Musik wie in diesem Jahr.
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ROCKHARZ 2026 – Der Festivalfilm
(MS & BD)
Weitere Bands:
Necrotted
Artillery
Majestica
Annisokay
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