
Es ist das erste Augustwochenende, das heißt, in Linden zwischen Leine und Ihme öffnet das Fährmannsfest wieder seine Pforten. Irgendwo zwischen Punkrock, lokalen Künstler:innen und Kultur- und Nachbarschaftsfest herrscht dann auf der Fährmannsinsel und der Faust-Wiese ein buntes Treiben. Dieses Jahr gibt es ein paar Umstrukturierungen: Das Kulturfest und der Betrieb auf der Bunten Bühne auf der kostenfrei zugänglichen Faust-Wiese beginnt erst am Samstagnachmittag, die Musikbühne auf der Fährmannsinsel, wie gehabt gegen Eintrittsgeld zugänglich, wird nur noch Freitag und Samstag bespielt.
Hier geht es zum Samstag und Sonntag

Freitag ist also schon zur ersten Band, Team Scheisse, ordentlich Betrieb vor der Bühne. Das mag auch an der arbeitnehmerfreundlichen Startzeit 16:30 Uhr liegen.
Team Scheisse aus Bremen haben simplen, eher brachialen Punkrock und Texte mit einer Mischung aus Spaß und erst auf den zweiten Blick offensichtlicher Gesellschaftskritik im Gepäck. „Schmetterling“ zum Beispiel, mit harmlosem Titel und Beschreibung eines hübschen Tieres spielt bei genauerer Betrachtung auf Persönlichkeitsentwicklung (von Raupe zu Schmetterling) und das bunt und anders sein an. Derart tiefgründige Botschaften in zwei Minuten zu verpacken, ist dann auch wieder eine Kunst für sich. Als Ausgleich gibt es dann „Rein ins Loch“ über das Aufbewahren und entsorgen von Pfandflaschen. Bei solch flachem Humor ist der Alltag dann auch relativ schnell an die Seite geschoben und Festivallaune aufgekommen.
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Nach einer kurzen Umbaupause sind Lüt startklar. Das Moderationsteam, heute zum Motto „gelb“ wie immer ausgefallen und kreativ gekleidet, erklärt, dass der Name rückwärts ausgesprochen wie Tool klingen soll, eines der großen Vorbilder der Band. Das Quartett aus Tromsø schafft es allerdings nicht ganz, die Publikumsmenge von Team Scheisse zu halten. Gespielt wird Punk mit Metal- und Hardcore-Einflüssen. Spannend zu hören, auch wenn der Sound vor allem an der Hangseite der Bühne, wo es sich bequem sitzen lässt, eher ausbaufähig ist.
Die Songs sind eher weniger politisch, sondern verarbeiten, zumeist auf Norwegisch, persönliches Wachstum und Erfahrungen der Band.
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Es schließen sich Akne Kid Joe aus Nürnberg an. Es gibt sympathischen klassischen Punkrock, der politisch am Zahn der Zeit ist. Im Duett von Sängerin Sarah und Sänger Matthias gesungen, verleiht das dem musikalischen „Auf-die-Fresse-Aspekt“ eine ungewöhnliche Note, die sehr erfrischend ist. So wird sich beispielsweise in „Sarah (Frau, auch in ‘ner Band)“ mit Geschlechterrollen in der Musikbranche auseinandergesetzt.
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Vor der Bühne füllt es sich zusehends, es groovt sich ein zwischen Publikum und Band, vorsichtig wird sich auch im ersten Pit des Tages aufgewärmt. Währenddessen kümmern wir uns ums Essen, um pünktlich für zurück zu sein.

Kurz nach 19:00 Uhr wird auf der Bühne noch fleißig am Sound gearbeitet, natürlich unter reger Beteiligung des Publikums direkt vor der Bühne. Denn auch wenn Good Riddance ihre Songs zunächst nur zum Soundcheck anstimmen, hält das die wenigsten davon ab, schon einmal ausgiebig zu applaudieren. Die Kalifornier sind nicht nur weit gereist, sie haben auch ihr neues Album „Before The World Caves In“. Wie wohl alle Band im Line-up wird auch Good Riddance von der aktuellen welt- und klimapolitischen Lage umgetrieben, insbesondere aus den USA kommend.
Die Musik geht zügig vorwärts, dass sich die Circle Pits nur so drehen. Die Fans haben Bock und Sänger Russ Rankin ist davon sichtlich angetan. Mit einem „You Guys are fucking awesome“ feuert er die Party vor der Bühne weiter an, während die schnellen Gitarrenriffs mit aller Nachdrücklichkeit über die Fährmannsinsel schallen.
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Mit leichter Verspätung und Nieselregen betreten Lagwagon die Bühne. Die Band steht seit 35 Jahren für sozialkritischen Punkrock, der die Szene prägt. Das lässt sich bei einem Blick vor die Bühne bestätigen, dort ist ordentlich viel los, und schon bevor der erste Song zu Ende ist, öffnet sich der erste Pit. Lagwagon sind nicht diejenigen, die sich mit langen Vorreden aufhalten, es folgt Song auf Song aus über 30 Jahren Bandgeschichte. Dass die letzte Veröffentlichung auch schon wieder sieben Jahre zurückliegt, scheint unter den Fans niemanden zu stören. Im Gegensatz zu Good Riddance ist das Tempo deutlich ruhiger, die Songs allerdings nicht weniger kraftvoll. Zuhören macht Spaß, die Stücke klingen so flüssig, wie Punk-Akkorde eben klingen können.
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Nach einer Stunde ist dann nochmal Zeit zum Ausruhen, bevor mit H-Blockx die letzte Band des Freitags spielt.

Angekündigt als „Studentenband aus Münster“, als die H-Blockx in den 90ern mal angefangen haben, aber längst nicht mehr sind, geht es für das Quartett als Abendabschluss los.
Auch wenn die neue Tagesstrukturierung beim Fährmannsfest zum wirklich starken Andrang vor der Musikbühne beigetragen haben dürfte, kann man davon ausgehen, dass auch nach altem Konzept ordentlich was los sein dürfte. Wer nach 12 Jahren mehr oder minder musikalischer Ruhe im März ein neues Album herausgebracht hat, der darf sich hier in der Open Air Saison bejubeln lassen. „FILLIN_THE_BLANK“ kommt mit Energie gleich der aus den frühen Jahren der Band daher und lässt nicht nur Fanherzen höherschlagen, sondern auch das Publikum höher springen. Im aktuellen europapolitischen Kontext dürfte das blau-gelbe Cover auch kein Zufall sein. So oder so passt es gut zum heutigen Moderatoren-Motto „gelb“.
H-Blockx, die sich musikalisch irgendwo zwischen temporeichen Gitarrenriffen, optimistischen Klängen und kritischen Texten voller Melancholie bewegen, begeistern ihre Fans von der ersten Minute auf der Bühne an. Das Set fokussiert sich dabei vor allem auf das aktuelle Album, aber auch etablierte Klassiker dürfen nicht fehlen. Mit einem „Ring of Fire“ Cover verabschieden H-Blockx das Färhrmannsfest begleitet von langen Sprechchören in die Nacht.
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Das Moderationsteam Candy Pia und Stefan Henningsen freut sich auf den Samstag, wer mag, kann den Abend noch bei „Musik aus der Dose“ und den letzten Getränken ausklingen lassen.
An den Eintrittsbändchen ist erkennbar, dass viele Besucher auch morgen wieder hier sein werden. Wir verabschieden uns in den Abend und sind gespannt auf den Samstag mit Kultur- und Kinderfest einerseits, und großen Nummern auf der Musikbühne andererseits.
(BD)
