
Am Samstag öffnet das Fährmannsfest seine Tore wie immer langschläferfreundlich um 14:00 Uhr. Dieses Jahr neu ist, dass auf der Faust-Wiese zwar schon fleißig Verkaufs- und Verpflegungsstände aufgebaut werden, es aber auf der Bunten Bühne erst um 17:00 Uhr losgeht.
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Bis dahin bleibt also genug Zeit, sich erst einmal bei der Musikbühne auf der Fährmannsinsel umzusehen. Um 14:30 dürfen dann Kettenfett den Samstag eröffnen, für das Duo aus Hannover ist Heimspiel angesagt. Doch auch wenn es mit harten, schweren Drums und einem Brett von Gitarrensound wider den Konformismus geht, das Fährmannsfest ist noch etwas verschlafen. Vor der Bühne herrscht also nur mäßiger Betrieb, und trotz aller Bemühungen des Duos wird es im Verlauf des Konzerts auch nur ein wenig mehr. Der Sound der nicht allzu schnellen Gangart dürfte allerdings trotzdem ein guter Einstieg gewesen sein.
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Zum zweiten Wecken sind dann The Meffs dran. Zweite Band, zweites Duo des Tages. Es gibt Energie, Punk und Rock auf die Fresse. Sängerin Lily holt die jetzt deutlich zahlreicher erschienenen Besucher voll ab, springt auf der Bühne herum und kann dabei auf magische Weise immer noch singen, ohne außer Atem zu sein.
Die Distanz zwischen Publikum und Band ist auch wirklich zu groß, sodass sie kurzerhand das Gitarrenspiel in die Mitte eines Circle Pits verlegt. Schlagzeuger Lewis bleibt vermutlich auch nur sitzen, weil sich ein Schlagzeug eher schlecht transportieren lässt. Das Fährmannsfest ist da, The Meffs werden ihrer Ankündigung als eine der auffälligsten jungen Punkbands Großbritanniens definitiv gerecht und wer begeistert war, bestellt gleich das neue Album „Business“ vor, welches symbolträchtig am 11.09. erscheint.
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Wir schauen uns derweil auf der Faust-Wiese um, die sich in der Zwischenzeit in ein buntes Treiben verwandelt hat. Leichter Sommerwind, strahlender Sonnenschein, Hüpfburgen und der Duft nach verschiedensten Speisen machen das Ensemble perfekt. Egal, ob selbstgebastelter Schmuck verkauft wird, oder man sich bei verschiedensten NGOs informieren möchte, auf der Faust-Wiese ist für Groß und Klein was dabei.

In der Zwischenzeit fangen auf der Bunten Bühne mitten drin Athena Peng mit dem Soundcheck an. Die Band bewegt sich irgendwo zwischen Pop und Rock, jedoch ohne sich festzulegen. Es gibt eigene Songs über Politik und Klimawandel, ebenso wie Cover von zeitlosen Klassikern. Vor der Bunten Bühne verteilt sich das Publikum dabei auf die Bierzeltgarnituren, während Hot Dogs oder Falafel verkostet werden. Sicherlich könnte man auch ein klassisches Konzert zum Stehen aus der Veranstaltung machen, aber so passen sich Athena Peng gut in die Stimmung auf der Wiese ein.
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Obwohl die Action auf der Bunten Bühne in diesem Jahr deutlich später startet als gehabt, ist der altbekannte knappe Versatz in den Startzeiten auf beiden Bühnen immer noch vorhanden.

Wir huschen also zügig wieder zurück zur Musikbühne, um 17:10 Uhr Alarmsignal pünktlich zu sehen. Hier gibt es wieder klassischen Punkrock, simple Melodien mit komplizierten Themen. Besonders bei Alarmsignal findet sich spätestens auf den zweiten Blick eine erstaunliche Menge tiefgründig-emotionaler Texte, die sich vor allem mit der komplizierten Gegenwart und der Persönlichkeitsebene beschäftigen. Die Band setzt ein Zeichen für Aufmerksamkeit und für Selbstachtsamkeit. Das ist ein großes Thema, „Ich hoffe du findest, was du suchst“ wird mit größter Sorgfalt überall mitgesungen, die Fans sind sichtlich bewegt.
Auch Gleichberechtigung ist ein Thema, schließlich sei auch das musikalische Handwerk deutlich von Männern dominiert. Das Quartett fängt also selbstkritisch bei sich selbst an und so wird ein Song gemeinsam mit der Merchbeauftragten gesungen, was die Fans völlig eskalieren lässt.
Zum Schluss darf natürlich auch die allgemeine politische Positionierung nicht fehlen. „Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ und „Brennende Barrikaden“ machen einmal mehr deutlich: hier ist kein Platz für Nazis.
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Im Anschluss sind Butterwegge dran. Die Fronten werden gleich vor dem ersten Song geklärt: „Wir sind Butterwegge aus dem Pott und spielen Punkrock!“ Na denn mal los. Die Ansage ist Programm. Zu hören gibt es besagten Punkrock mit Ska-Elementen, was das musikalische Gesamtergebnis sehr tanzbar macht. Die angenehmen Temperaturen laden dazu förmlich ein. Sympathisch wird die Combo auch dadurch, dass nicht Hannover, sondern explizit Linden begrüßt wird. Dazu folgt eine Gilde-Verkostung gefolgt von „Bier und Pommes“. Auch „Kein Bock“ kommt gut an, man muss schließlich auch mal Pause machen. Die Fans allerdings haben schon Bock, zumindest auf Tanzen und Trinken. Mehr Ska, mehr Punkrock und mehr Live-Erprobung des Albums „Liebe&Revolte“, erschienen im Februar, stehen auf dem Programm. Während die lockere Party vor der Musikbühne sich also rasant hochschaukelt, wechseln wir wieder die Seite, da auf der Bunten Bühne zeitgleich Jenny Thiele an den Start geht.
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Beeilen wäre nicht nötig gewesen, als wir vor der Bunten Bühne ankommen, wird noch ein genauester Soundcheck durchgeführt. Während also von der Fährmannsinsel nebenan das Geschrammel und Getöse von Butterwegge gedämpft herüberdringt, wird vor Ort penibel jede klangliche Nuance getestet, bevor sie dem laienhaften Ohr des Zuhörers als Zusammenspiel vorgestellt werden dürfen. Zwanzig Minuten später geht es dann los. Jenny Thiele, musikalisch umtriebig und gesanglich emotional, nimmt das Publikum mit klanglicher Perfektion mit, es geht um Selbstfindung, Emotionen und die Musik selbst. Dabei trifft eine angenehme Stimme auf minimale musikalische Begleitung. Der Kontrast zur Musikbühne mit ihrer Ska-Punk-Party ist dabei maximal, und wie so oft wird deutlich, dass hier nicht nur für alle Besucher Platz ist, sondern auch für alle Spielarten der Musik.
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Auf der Musikbühne geht es in der Ska-Punk-Skala weiter nach oben: Rantanplan sind an der Reihe. Los geht es mit „Stay Rude – Stay Rebel“, das Publikum ist da, das Publikum hat Bock. Von diesem ersten Song an wird getanzt, Pits geöffnet und mitgegrölt. Rantanplan haben nicht nur eine Menge Blasinstrumente, die alles cooler machen, sondern auch ordentlich Energie im Gepäck. Tanzen ist Programm, so etwa in „Revolution (Emma G.)“, denn wenn diese nicht tanzbar sei, so heißt es darin, sei man nicht mit dabei. So einfach kann das sein, die Dichte der Fans vor der Bühne gibt ihnen dabei mehr als recht.
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Auf der Bunten Bühne ist es Zeit zum Zurücklehnen und Schmunzeln: der Poetry-Slam Macht Worte! ist traditionell zu Gast und wartet diesmal ausschließlich mit FLINTA-Teilnehmenden auf, eine gute Sache für Gender-Gleichberechtigung. Die Slams werden ebenso lustig amüsant wie thematisch tief treffend. Ob ein gereimtes Plädoyer für „Kopflosigkeit“ und mehr Vertrauen auf das Herz und die Gefühle oder ein Liebesbrief an die Wut: Macht Worte! macht bei allem Humor äußerst nachdenklich. Jeder Slam zwingt zur Auseinandersetzung mit dem Thema, was für den Kopf äußerst erfrischend ist. Einmal wird über Anpassung in der Jugend geslamt, einmal über Neurodivergenz und die Feststellung, dass eigentlich alle neurodivers sind, und nur eine Mehrheit den Rahmen dessen, was als „normal“ gilt, festlegt, bleibt wirklich hängen.

Das Publikum darf dann Punkte vergeben, alle Teilnehmende kommen gut an.
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Während das Stechen nach Gleichstand läuft, müssen wir allerdings schon wieder zurück zur Musikbühne, wo Betontod für den Abschluss des Abends in den Startlöchern stehen.
Auf dem Weg fällt schon auf: Wir haben schon deutlich vollere Ausgaben eines Fährmannsfest-Samstags gesehen. Wo oft ab der Brücke kaum ein Durchkommen war, konnte man bequem stehen, ohne sich drängeln zu müssen. Vermutlich muss das neue Tagesaufteilungskonzept auch erst einmal bei den Besuchern ankommen.

Je näher man der Bühne kommt, desto weniger ist zu spüren von der Luftigkeit in den hinteren Reihen. Schließlich sind die Fans hier, und jetzt wollen sie Betontod sehen. Das Quintett steht für flotten Punkrock, der auch nach 30 Jahren Bandgeschichte wie eh und je voller Energie daherkommt. „Keine Popsongs“, natürlich, wirklich nur Punkrock. Vor der Bühne hat sich scheinbar ein Fanclub untergemischt, immer wieder werden Fahnen in den kurzen Moshpit-Pausen geschwenkt. Die Fans sind textsicher, was sicherlich zur ein oder anderen heiseren Stimme am nächsten Morgen führt. Der Fokus liegt mit Songs wie „Das Kapital“ oder „Totenkopf“ vor allem auf der jüngeren Musikhistorie. Dabei steht auch schon das neue Album „Wir fangen jetzt erst an“, das im September erscheint, in den Startlöchern.
Auch Betontod können nicht nur Politik, auch ein Plädoyer für Feiern darf mit „Glück Auf!“ nicht fehlen.
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Auf der Bunten Bühne ist es um 22:00 Uhr Zeit für den letzten Act des Tages: Sängerin und Songwriterin Linski betritt nach äußerst umfangreichen Soundcheck die Bühne. Um die Szenerie wirken zu lassen, wird im Sitzen mit einer Zigarette begonnen, es passiert erst einmal nichts. Die Atmosphäre entfaltet sich, die Spannung steigt, genau das dürfte die Absicht gewesen sein. Es geht um Weiblichkeit, um Empowerment und um klare Akzente. Linskis Stimme wird verbunden mit Pop und Soul Elementen, gefühlvoll klingt ihr Gesang aus den Boxen.
Auf der Wiese kehrt dabei langsam Ruhe ein, Linski passt gut zu einem entspannten Abendausklang.
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Auch nebenan auf der Musikbühne zerstreut sich das Publikum nach Betontods „Traum von Freiheit“ und langen Sprechchören allmählich in den Sommerabend.
Wir sind gespannt auf den Sonntag, dieses Jahr nur mit Programm auf der Faust-Wiese.
(BD)
