James Blunt – Some Kind Of Trouble-Tour 2011

JAMES BLUNT
Some Kind Of Trouble-Tour 2011
Support: Julian Perretta
Samstag, 26.03.2011
TUI Arena Hannover

Romantischer Soft-Rocker begeistert als Schaf im Wolfspelz seine Anhänger

10.000 Zuschauer (ausverkauft)

10.000 sind gekommen. Das ist schon mal ‘ne Hausnummer. Da wird es selbst in der äußerst geräumigen TUI Arena schnell kuschelig. Und kuschelig muss es ja auch sein, wenn der als Schmusesänger verschriene Brite, James Blunt, in Hannover gastiert.
Doch zunächst wird es mal hektisch in Hannover, denn die Vorgruppe um den gleichnamigen Frontman, Julian Perretta, beginnt bereits eine Viertelstunde vor dem angekündigten Start.
So gehen die wenig abwechslungsreichen, sanft bis seicht komponierten Popsongs des Londoner Sängers teils in Gemurmel und der Suche nach dem richtigen Sitzplatz unter. Optisch erinnert der Lockenkopf ein wenig an einen jungen Jimi Hendrix – jedoch sind das dann leider auch schon alle Parallelen zur großen Musiklegende. So setzt man sich derweil auf seinem mehr oder minder lang gesuchten Platz danieder und freundet sich erstmal mit dem Sitznachbarn an – fachsimpelnd über den eigentlichen Star des Abends.

Und auch der kündigt sich sehr pünktlich an. Kurz vor 21 Uhr flimmern plötzlich Fotos von diversen jubelnden Mengen aus unterschiedlichsten Städten über die beiden riesigen Videoleinwände. Datiert sind sie alle aus dem Jahr 2008… was auch immer diese nostalgische Rückschau in dieser modernen Halle bedeuten mag. Man könnte ja fast mutmaßen, die großen Auftritte des sich gerade warm laufenden Briten seien längst vorbei. Doch warten wir’s ab.

Und der besagte Brite nimmt das mit dem Warmlaufen dann auch gleich wörtlich. Verfolgt von zwei riesigen Lichtkegeln kommt James Blunt aus den Katakomben der Arena durch den Mittelgang gespurtet, klatscht mit den verwundert dreinschauenden Fans ab und rennt fast die noch verwunderteren Fotografen über den Haufen, bevor er sportlich die Bühne erklimmt. Dort erwarten ihn bereits die gänzlich in Schwarz gekleideten Mitmusiker, die sein Einlaufszenario musikalisch untermalt hatten.
Blunt selbst sticht dabei mit seinem legéren grauen Shirt und der Bluejeans deutlich hervor aus der Reihe der Schwarzberockten.

Sein Opener ist der Titel „So Far Gone“, welcher von der dahin siechenden Liebe berichtend, den Leidensweg vieler Beziehungen beschreibt. Die in der TUI Arena anwesenden Pärchen lassen sich von der unterschwelligen Warnung jedoch nicht beeindrucken. Im Gegenteil: die mehrheitlich vertretenen Damen klammeren sich entzückt an die Arme ihrer teils nicht ganz so überzeugten männlichen Begleiter.
Nach „Wisemen“, einem seiner inzwischen zahlreichen Charthits entschuldigt Blunt sich mit  britischem Näseln auf Deutsch für seine spärlichen Kenntnisse der hiesigen Muttersprache, bevor er mit etwas steifem Humor (ebenfalls very Bristish!?) feststellt, dass das Konzert ein wenig Kinoatmosphäre versprühe, da alle Zuschauer sitzen. In Berlin sei das anders gewesen, wirft er provokant ein. Da hätten sich die Leute alle ausgezogen und man hätte eine wilde Rock’n’Roll-Party gefeiert.

Entweder ist Hannover dazu aber zu steif oder vielleicht eher viel zu schlau, als dass sie der Aufforderung, es den Berlinern gleichzutun, nachkommen würden.
So bleiben also alle adrett gekleidet sitzen, denn Rock’n’Roll-Stimmung schafft die gleich darauf vorgetragene Ballade „Carry You Home“ nun wahrlich nicht.

Die Bühnenshow kommt insgesamt übersichtlich daher. Ein paar grob pixelige Darstellungen auf mehreren Lichtwürfeln, ein bisschen Blinken, ein bisschen Sternenhimmel-Animation und dazu einen Frontmann, von dem man nicht genau weiß, ob er lieber Rocker oder Schmuseteddy wäre. Mal wirft er rebellisch den Klavierhocker um und haut stehend in die Tasten, mal erklimmt er die Monitorbox und mal reckt er animierend den Arm gen Himmel. Doch dann kommt ihm immer wieder dieser todtraurige Dackelblick und der fast schluchzende, klagende Gesang in die Quere und macht das Rocker Image zunichte.

Musikalisch ist er dennoch souverän. Professionell, wie es sich für einen mehrfach ausgezeichneten Chartstürmer gehört, trägt er seine Songs vor. Die anspruchsvollen Soli überlässt er dann jedoch wieder seinem Gitarristen, der auch gern mal ohne Spotlight die rockigen Parts übernimmt, während der Scheinwerfer weiter am Maestro klebt.

Bei „Turn Me On“ kehrt er dann plötzlich seine schmutzige Seite heraus und entsetzt damit vermutlich viele romantisch verklärte Schwiegermütter, die sich spontan in den Nachbarreihen nach einem gemäßigteren Schwiegersohn in spe umschauen.
Bei „ You’re Beautiful“ gibt es dann für die Schwiegertöchter kein Halten mehr. In Scharen rennen sie durch die Gänge Richtung der Bühne, um dem Romantiker unter der Sonne nah zu sein und werden dort jäh von den Sicherheitskräften abgefangen. Zuviel Rock’n’Roll-Feeling muss dann doch nicht sein.
Ein paar verschmitzte Zahnfleischgrinsen und Dackelblicke später packt es ihn dann aber doch noch mal. Blunt springt von der Bühne und rennt mit Fans abklatschend wie ein Leichtathlet durch den Innenraum, fällt einem älteren Herren in der ersten Reihe in die Arme und erklimmt dann schnell wieder die rettenden Podeste.

Als Zugaben kommen dann unter anderem noch der derzeitige Radiodauerbrenner „Stay The Night“ und der längst in allen Gehörgängen festgefressene 2007’er Hit „1973“ zum Einsatz, während Blunt noch ein letztes Mal auf dem Klavier stehend präsentiert, dass er einer der Wilden unter den Teddybären ist.

JS

Mehr Infos auf www.jamesblunt.com