ASPerin gefällig?

Im Bild: ASP; Foto: Sandra Hofmann

Bevor ASP sich eine wohlverdiente Pause gönnen lassen sie es sich nicht nehmen, noch kurz ein Album zu veröffentlichen und mit der „20.000 Meilen“- Tour elf Städten einen kleinen Besuch abzustatten. Es etwas ruhiger ausklingen zu lassen wäre auch so gar nicht ihre Art!

Das neue Album „Zutiefst“ ist der dritte Teil des „Fremder-Zyklus“ und knüpft damit an das 2013 erschienene Album „Maskenhaft“ an. Unterstützt werden ASP dieses Mal von Gothminister, einer norwegischen Elektro-Metal Band, die ihrerseits auch ein neues Album im Gepäck haben. Am 04. November ist der Pavillon in Hannover Wallfahrtsort der schwarzbunten Gemeinde, das vierte komplett ausverkaufte Konzert der Tour.

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Im Bild: Gothminister; Foto: Sandra Hofmann

Pünktlich um 20:00 Uhr betritt Gothminister im zerfetzen Anzug die Bühne und setzt mit „Ich will alles“ den musikalischen Grundstein für die nächsten 40 Minuten. Durchweg haben sie sehr tanzbare und brachiale Lieder mitgebracht, begleitet von einem sowohl musikalischen als auch lichttechnischen Blitzgewitter. Zwischen dem Kampf mit einem Zombie und einem kleinen Ausflug ins Publikum mit einem Werwolfwelpen auf dem Arm ist auch noch ein bisschen Zeit für eine Ansprache an die Gemeinde. Ein charmanter und kurzweiliger Einstieg in den Abend, es scheint den Herren sichtlich Spaß zu machen, sich augenzwinkernd auf möglichst viele Klischees gleichzeitig zu stürzen.

Im Bild: ASP; Foto: Sandra Hofmann

Um 21:00 Uhr wird es wieder dunkel und die ersten Töne der „Mondscheinsirenade“ lassen laute Jubelrufe aufbranden. ASP betritt in einem langen schwarzen Regenmantel die Bühne, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und in der Hand eine Laterne. Stimmungsvoll trägt er die Verse vor: „Komm, zieh mit uns fort!“ ist das Stichwort, um die Reise in 20.000 Meilen Tiefe und
den Konzertabend beginnen zu lassen. Als Kontrast zur Eröffnung mit einem neuen Song folgt nun das 10 Jahre alte „Minnelied der Incubi“, auch dieses Mal ist die Setlist eine wunderbare
Mischung aus insgesamt 21 alten und neuen Stücken, davon acht von dem gerade erschienenen Album.

Ein sehr wahres Statement, welches auch von fast allen respektiert wird:

Nach „20.000 Meilen“ wird das Publikum in die „Eisige Wirklichkeit“ zurückgeholt, ASP erlaubt sogar während „Werben“ einige Fotos und Videos zu machen. Ansonsten wäre es für alle Beteiligten schöner, den Abend direkt und nicht getrennt durch kleine Bildschirme zu erleben.

Im Bild: ASP; Foto: Sandra Hofmann Mehr Fotos? Danke an [a]live: promotion
Weichen(t)stellung“ sorgt für ausgelassene, euphorische Stimmung, bevor „SonaArta“, das erste von zwei englischsprachigen Lieder am heutigen Abend, eine kleine Ruhepause bietet, die ASP durch die Ankündigung des Urlaubs nach der Tour noch ein wenig verlängert. „Ich werde endlich mal ein paar Bücher von den Stapeln bei mir zu hause zu lesen, bevor sie mich erschlagen!“ Doch zunächst läd er uns alle ein, einen kleinen Ausflug mit ihm zu machen. „An einen Ort, an dem ich schon lange nicht mehr war. Ein gewisses Hotel…
Astoria verfallen“ ist jedem der Anwesenden noch allzu gut bekannt, die Geschichte um Paul und das Astoria wurde auf den beiden vorherigen Touren ausgiebig erzählt. Es kommt fast ein bisschen Wehmut auf beiden Seiten der Bühne auf, haben sich doch die Türen des Hotels nun für immer geschlossen.

Im Bild: ASP; Foto: Sandra Hofmann

Doch für Trübsinn bleibt keine Zeit, die folgenden Lieder „Die Kreatur mit der stählernen Maske“ und „Wechselbalg“ reißen die Zuschauer mit sich in einen anderen ASP’schen Kosmos. Sie schlagen einen thematischen und musikalischen Bogen zu dem ersten und zweiten Album des Fremder-Zyklus, da kommt es natürlich gerade recht mit „Torpedos“ anzuschließen; der
Geschichte eines Liebespaars, das gemeinsam trotzig dem Tod entgegensieht. „Das Kollektiv“ und „Schwarzes Blut“ sind wieder sehr tanzbar, es wird gesprungen und mitgeklatscht, jedoch bittet ASP nach den letzten Tönen sehr schnell um Ruhe und fordert ein zweites Mal dazu auf, die Handys aus den Taschen zu holen. Allerdings nicht, um zu fotografieren, sondern um ein kleines
Meer aus Lichtern zu bilden, in das „unglückselige Engel stürzen könnten!“. Sowohl zu dem nun folgenden „BernsteinmeerengeL“ als auch zu „Die Untiefen“ passen die vielen kleinen Lichtpunkte in der Dunkelheit des Saals, denn es geht um die falschen Leuchtsignale, die Seefahrer in die Irre führen und ihre Schiffe zum kentern bringen.

Im Bild: ASP; Foto: Sandra Hofmann

Im Anschluß bekommt ASP drei schwarze Federn gereicht, das Publikum weiß natürlich, dass das nur eins bedeuten kann. Alle Ansage-Versuche gehen in lautem Beifall sowie Jubelrufen einfach unter, während der Meister nur wissend grinst: „Ich weiß gar nicht, was ihr so plötzlich habt!

Krabat“, auf fast jeder Setlist vertreten und immer gespannt erwartet, wird ebenso gebührend gefeiert wie „zutiefst…“, der heimliche Favorit vieler Fans auf dem neuen Album. Nach „Und wir tanzten“, dem ältesten Lied, das auf der Setlist vertreten ist, verlassen ASP, Sören, Lutz, Tossi und Stefan die Bühne. Sie lassen jedoch nicht lange auf sich warten und kehren für eine Zugabe zurück.

Da dürfen natürlich „Ich will brennen“ und „Fortsetzung Folgt“ nicht fehlen, letzteres ist seit der ersten „Verfallen“-Tour bereits ein fester Bestandteil jedes Konzertabschlusses und ebenso wenig wegzudenken wie einige wesentlich ältere Stücke. Unerwartet und neu kommt das Simon & Garfunkel -Cover I am
a Rock“ hinzu, ein verträumtes und melancholisches letztes Lied mit dem die Zuschauer in den kalten Novemberabend entlassen werden. ASP verrät dem Publikum noch verschwörerisch ein kleines Geheimnis, und er nimmt allen das Versprechen ab, noch nichts über die diversen Social Media Plattformen zu verbreiten. Deswegen werde ich auch nichts weiter dazu schreiben, sondern kann nur allen neugierigen Lesern empfehlen, die verbliebenen Tordaten wahrzunehmen und sich zutiefst mitreißen zu lassen. Ob nun exakt 20.000 Meilen oder vielleicht noch ein bisschen mehr ist jedem selbst überlassen. Ein ASPerierender Abend!

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Im Bild: ASP; Foto (C) Sandra Hofmann

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(VD)

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