Un- oder Wetter? RockHarz 2017 der Freitag

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Das am Vorabend angekündigte Unwetter war nachts glücklicherweise ausgeblieben, weshalb auch der dritte Festivaltag mit guten Wetter startet. Nachdem Vlad In Tears den Tag eröffnen ergibt sich vor der Dark Stage bei Kambrium gleich ein kleines Publikumshighlight. Die Pagan Deather scheinen gleich einen ganzen Fanclub dabei zu haben. Deutlich viele ihrer T-shirts sind in der Menge zu sehen, und als besonderes Schmankerl fliegen während eines Songs plötzlich reichlich Höschen auf die Bühne. Der erste, wenn auch kleine, Circle Pit des Tages wird dann auch bald angezettelt. Als gewitzte Grassroot-Marketing-Aktion laufen dann noch zwei Damen mit Bauchläden voller CDs der Band durch die Zuschauer. Damit sollten doch dann einige neue Leute auf Kambrium aufmerksam geworden sein.

Mit Cypecore wird es dann anschließend doch recht corig und modern. So modern sogar, dass es in futuristisch ausartet. Mit reichlich Industrial-Elementen und Outfits, die an Science Fiction-Horrorfilme erinnern, stechen die Mannheimer selbst unter den zahlreichen kostümierten Bands des Festivals heraus. Mit Ewigheim wird es dann zuerst ruhiger, mit Firkin dann folkiger. Ein echter Stilmix also, der das Rockharz auch so ein wenig auszeichnet. Mit Ohrenfeindt kommt dann eine Portion Deutschrock auf das Publikum zu. Vielerorts hört man dazu, dass der Name bei dieser Band Programm sei, und es lässt sich wirklich nicht unter den Teppich kehren, dass es nicht allzu voll vor der Bühne ist und auch eher die zu erwartende Klientel angetroffen wird. Das könnte unter anderem an Lyrics wie „Auf die Fresse ist umsonst, den Rest musst du bezahlen“ liegen.

Mit Unzucht steigt das Niveau dann aber wieder an. In ihrem Dark Rock schwingt eine ziemliche Portion NDH mit, allerdings nicht ohne auch auf eingängige Melodien zu setzen. Damit kommen sie dann auch ziemlich gut an, und sie spielen ja schließlich nicht ohne Grund zum wiederholten Male auf dem Rockharz. Während dann mit Ost+Front und Varg nochmal gefühlt eine Tonne Schminke und Kunstblut über die Bühne getragen werden, spielen sich auf der Teufelsmauer ganz andere Dinge ab. Dort haben einige findige Besucher einen Eimer voller Wasserbomben samt Schleuder auf den Berg geschleppt. Mit wenig Treffsicherheit, dafür aber mit viel guter Stimmung, werden dann die sich bereits auf dem Felsen befindenden Fans beschossen. Prinzipiell keine schlechte Idee, nur schießen viele der Ballons übers Ziel hinaus und landen in der Pampa dahinter, was nun wirklich nicht sein muss. Auch die vielen zurückgelassenen Bierdosen und anderer Müll auf der Teufelsmauer sind ein absolutes No Go und nicht cool.

Wieder auf dem Gelände angekommen geht es zu Lord Of The Lost, die natürlich wie ihre Vorgänger ebenfalls in den Farbtopf gegriffen haben. Auch diese Band hat sich dem Dark Rock verschrieben, sodass es vorerst düster bleibt. Der recht starke Industrial-Einfluss und die stampfigen Beats machen sie zudem sehr tanzbar. Etwas, das man von den darauf folgenden Beyond The Black nun wirklich nicht behaupten kann. Nachdem diese zu Anfang ihrer Karriere ziemlich gehypt wurden, hatte man sie dann etwas aus den Augen verloren. Sie sind jetzt wieder da, mit komplett neuer Besetzung, von Sängerin Jennifer Haben mal abgesehen. Klingen tun sie immer noch ziemlich ähnlich und das auch recht OK. Trotz allem freut man sich, dass es dann bald mit Pain losgeht.

Die Schweden um Peter Tägtgren hauen unter anderem Klassiker wie Zombie Slam und Same Old Song raus, was vor allem bei den langjährigen Fans zu Begeisterung führt. Wer die Band kennt, ist dann auch nicht überrascht, als es etwas versauter wird und die Ansage kommt, das soeben gespielte Lied sei über Analsex, und dass es jetzt Zeit für Vagina-Sex sei. Nach eigener Aussage mag Peter Tägtgren die besonders, wenn sie „dirty“ ist. Das ist natürlich die Vorlage für Dirty Woman, was kurz vor Schluss kommt, gefolgt vom absoluten Highlight Shut Your Mouth. Dass die Menge damit schon gerechnet hat, erkennt man daran, dass sie Eingangsmelodie schon bevor sie angespielt wird lauthals aus allen Kehlen dröhnt.

Bei Mono Inc. wird es dann wieder tanzbar, auch wenn die Elektro-Samples nicht ganz so vordergründig abgemischt sind wie sonst. Die Backing Vocals von Drummerin Katha Mia sind leider auch etwas leise, dafür kommt das Schlagzeug richtig fett durch. Vor allem Arabia und Voices Of Doom kommen wie sonst auch gut an. Zu After The War gibt es dann einen von der Band initiierten Chor mit dem Motto „nie mehr Krieg“. Es folgen die Power-Thrasher Iced Earth, bei denen es dann auf eine etwas andere Art um Krieg geht. Wegen Terminschwierigkeiten mit ihrem Flug musste die Band leider die für nach dem Auftritt geplante Autogrammstunde absagen.

Heaven Shall Burn veranstalten dann auf der Rock Stage einen ziemlichen Totalabriss. Sie dürften das wohl aufwendigste Bühnenbild des Festivals mitgebracht haben, bieten also auch optisch so einiges. Sänger Marcus Bischoff nennt das Rockharz dann den härtesten Acker im Osten, und lobt seine Heimat ausdrücklich für die Metalszene, die sich hier etabliert hat. Die After Headliner Slots werden an diesem Abend von Belphegor und Mr. Hurley & die Pulveraffen belegt, die beide ihre jeweiligen Genrefans nochmal auf die böse bzw. lustige Art verzücken.

(AQ)

Bands Tag 3:

Vlad In Tears (leider keine Fotos)
Kambrium (leider keine Fotos)

Cypecore

Ewigheim

Firkin (leider keine Fotos)

Ohrenfeindt

Unzucht

Ost+Front (leider keine Fotos)
Varg (leider keine Fotos)

Lord Of The Lost

Beyond The Black

Pain

Mono Inc.

Iced Earth

Heaven Shall Burn

Belphegor

Mr. Hurley  die Pulveraffen (leider keine Fotos)

Stimmungen:

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