RockHarz Festival – der Freitag

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Rockharz auf musikmag.de: 2016 Mittwoch / Donnerstag / Freitag / Samstag / 2015

Am dritten Tag hatte der Wettergott endlich ein Einsehen und schickte ein paar Wolken über das Rockharz. So konnten die Fans auch zu früher Stunde und ganz ohne Sonnenbrandgefahr bei kuscheligen 17 Grad Aeverium genießen. Sänger Marcel Römer meldete sich nach „The other Side“ kurz zu Wort; es fiele ihm extrem schwer, sich bei Ansagen kurz zu fassen, aber „weniger Gelaber bedeutet mehr Musik!“ Die  Jubelrufe gaben ihm recht und so stand der Party nichts mehr im Wege!
Etwas lichter fiel die Menge bei The Other aus, was aber der guten Stimmung bei Band und Zuschauern aber nicht schadete. Horror-Clown und Skelett-Make Up passten zu den textlich düsteren Songs. Thematisch unpassend allerdings ließen sich jetzt auch wieder erste Sonnenstrahlen blicken, also höchste Zeit mit einem Pogo-Pit zu „Take you down“ zu kontern.


Crematory hatten es sich bei der Wahl des Bühnenoutfits derweil leicht gemacht und trugen samt und sonders einfach ihr eigenes Merchandise. Die teilweise noch recht neue Besetzung fiel  überhaupt nicht auf, musikalisch wie posingtechnisch saß alles perfekt.
So ließe sich aber auch erklären, warum eher neuere Songs gespielt wurden, zum Beispiel vom kürzlich erschienenen Album „Oblivion“. Ein Lied gehörte natürlich trotzdem dazu, „Tears of Time“ aus dem Jahre 1995 war ein ersehnter Klassiker im Set.

Die munter durchgemischte Running Order verlängerte die Spielzeit von Finntroll auf eine Stunde. Diese zusätzliche Zeit wurde genutzt um passend zu den langen Ohren auch ein fast schon ungehörig langes Intro zu zelebrieren. Wer Geduld besaß, wurde anschließend auch belohnt: musikalisch mit unter anderem „Svartberg“ und „Trollhammeren“ und optisch mit einem oberkörperfreien Vreth und einer zur Nachahmung motivierten Zuschauerin.
Nach der eingeschobenen Bierpause und einigen anfänglichen Soundproblemen enterten Alestorm die Bühne, in Begleitung eines riesigen Quietscheentchens. Es wurde sportlich, denn mitsingen allein reichte bei dieser Band wohl nicht. „Hinsetzen und rudern!“ lautete der Befehl, passend zu „Nancy The Tavern Wrench“; eine Wall of Death musste im Anschluss natürlich auch noch her. Nicht mal das monströse Entchen blieb verschont, es gesellte sich während „Drink“ zu den zahlreichen Crowdsufern. Den Abschluss fand diese bizarre und sehr ausgelassene Party mit „Fucked with an Anchor“, daraufhin mussten im Publikum schnellstmöglich Körperteile und Synapsen sortiert werden, denn der Kapitän wartet nicht gerne…
Nebenan auf der Dark Stage waren nämlich Eisbrecher bereit zur „Sturmfahrt“ und legten mit „Was ist hier los?“ und „Himmel, Arsch und Zwirn!“ nicht weniger kräftig nach. Bevor der von den Fans eingeforderte Striptease von Sänger Alexander Wesselsky doch noch zu weit ging, zog dieser sich lieber eine dicke Jacke an, schnappte sich zwei Eispickel und lies für „Eiszeit“ kurzfristig einen Schneesturm über das Rockharz hereinbrechen. Wem außer dem Checker höchst selbst könnte das schon gelingen? Apropos höchst- ein fahrbares Podest mit LED-Band wurde natürlich ebenso herbeigekarrt, damit „This is Deutsch“ erhaben auf die Menge herunterdeklamiert  werden konnte.

Damit nicht plötzlich Frostbeulen und Gefrierbrand entstehen konnten hatten Hammerfall da mal was vorbereitet. Gleich zu Beginn wurde es sehr heiß vor der Bühne; an den Feuerfontänen war nicht gespart worden, denn auch diese Band hatte ein eigenes Jubiläum zu feiern, 20 Jahre „Legacy of Kings“. Mit „Bang your Head“ war dann auch geklärt, was das Publikum zu tun hatte, während ihnen „Blood Bound“ und „Let the Hammer fall“ um die Ohren knallten.
Wie es sich für den Powermetal gehört, saßen Choreografie und Posen der Musiker perfekt. Zum krönenden Abschluss setzten sie bildlich wie wortwörtlich noch einmal den „Harz on fire“  (falls gleich bunte Ballons von der Decke fallen dann nur, weil du diesen „Witz“ zum hundertsten Mal gelesen hast) und brannten für „Hammer High!“ sowohl an der Bühne als auch am FOH alles ab, was die Pyro noch zu bieten hatten.

Nach dem Headliner noch etwas bei Versengold entspannen? Nein,weiterfeiern!

Die sympathischen Nordlichter verstanden sich allzu gut darauf, voller Selbstironie wie bei „Spaß bei Saite“ und „Versengold“ oder mit Trinklieder („Hoch die Krüge“) auch den letzten Tanzmuffel zu motivieren. Sogar Schunkeln war gefordert, eine Disziplin, die zu jener Stunde durchaus Herausforderung genannt werden durfte. Zwischendurch wurde es mit „Haut mir kein’ Stein“ und „Feuergeist“ auch ein wenig emotional, es gipfelte in eine waschechte Liebeserklärung (an Irland: „Verliebt in eine Insel“).
Ich und ein Fass voller Wein“ gab am Ende noch eine kleine Inspiration mit auf den Weg, was denn mit dieser Nacht noch anzufangen sei, falls die Late Night Slots aus unerfindlichen Gründen nicht den eigenen Geschmack treffen sollten.
Durch ein Flughafenchaos mussten Ensiferum bereits ihre Autogrammstunde streichen, ihren Auftritt ließen sich die Finnen jedoch nicht nehmen. Auch wenn sie dadurch auf einen sehr viel späteren Slot, nämlich ein Uhr nachts, rutschten. Von Müdigkeit oder Verdruss war allerdings weder auf noch vor der Bühne etwas zu merken. Ohne Umschweife ging es los „For Those About to Fight for Metal“! Der Menge wurde noch einmal alles abverlangt; mitgrölen, klatschen, tanzen, hüpfen, Haare schütteln und nebenbei noch Crowdsurfer tragen. „Way of the Warrior“, „Lai Lai Hei“ und „Iron“ verliehen ihnen die nötige Kraft dazu. Nachdem die letzten Töne verklungen waren waren sich alle Anwesenden einig:

Das Warten hatte sich definitiv gelohnt!

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Die Bandfotos und das Lineup:

ENSIFERUM
EISREGEN
VERSENGOLD
HAMMERFALL
EISBRECHER
ALESTORM
BIER PAUSE
FINNTROLL
BATTLE BEAST
AMARANTHE
CREMATORY
EVERGREY
THE OTHER
ANNISOKAY
OBSCURITY
NANOWAR OF STEEL
AEVERIUM
I’LL BE DAMNED

(VD)